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Kanton
19.10.2021
19.10.2021 23:25 Uhr

Kanton gibt Tipps für den Notvorrat

Bild: pixabay.com
Der Kanton Zürich gibt Ratschläge, was es für einen Notvorrat braucht, was in eine Hausapotheke gehört und wie man ohne Strom kocht. Ein nicht ganz ernst gemeinter Kommentar von Barbara Tudor.

Die Wirtschaftliche Landesversorgung des Kantons Zürich hat vor wenigen Tagen einen Beitrag zum Thema Notvorrat publiziert. Darin gibt sie Tipps, was zu einem guten Notvorrat und in eine Hausapotheke gehört und wie man ohne Strom kocht.

Liest man die aktuellen Meldungen rund um Pandemie, Liefer- und Stromengpässe, wird einem beim Lesen der Ratschläge etwas komisch zu Mute. Auch bei Sätzen wie «Eine Strommangel-Lage oder ein dauerhafter Stromausfall ist in der Schweiz nicht auszuschliessen» oder «Wenn Sie zuhause einen sinnvollen Notvorrat anlegen, sind Sie während einer Krise keinen Versorgungsengpässen ausgesetzt» machen einem nicht eben fröhlicher.

Vorbei das Susi-Sorglos-Leben

Dass es auf der Website des Kantons einen eigenen Bereich mit Infos und Rezepten zu diesem Thema gibt, wusste ich bis vor kurzem nicht und zeigt, wie sorglos wir doch bisher lebten. Spätestens seit dem ersten Lockdown, als einige Generationen in unserem Land zum ersten Mal in ihrem Leben vor leeren Regalen standen, ist klar: Wir bewegen uns mit unserem Susi-Sorglos-Leben und unserer vermeintlichen Überallerhältlichkeit auf einem ganz schmalen Grat.

Mal davon abgesehen, dass unsere Welt gerade Kopf steht und kein Stein auf dem anderen zu bleiben scheint, ist es gar nicht so verkehrt, die Tipps rund um Notvorrat, Hausapotheke und Kochen ohne Strom zu lesen und sich die Frage zu stellen: Käme ich für ein paar Tage über die Runden, auch ohne Strom?

Notvorrat in den Alltag integrieren

Einen Notvorrat anzulegen sei gar nicht schwer und brauche nicht viel Zeit, liest man in dem Tipp als erstes. Man soll dafür einfach beim Einkaufen jeweils eine Packung mehr kaufen als man für den täglichen Bedarf braucht, um so den Vorrat Stück für Stück aufzubauen. So könne man auch von Sonderangeboten profitieren, heisst es weiter. Man soll seinen Vorrat in die tägliche Verpflegung integrieren, also regelmässig davon konsumieren und den Vorrat wieder erneuern. So müsse man auch nichts wegwerfen. Ach so. Auf einem Merkblatt findet man dann alle Vorräte, die zu einem "guten Notvorrat" gehören:

Die Notvorrat "bucket list"

  • 9 Liter Wasser pro Person
  • weitere Getränke
  • Lebensmittel für eine Woche (z.B. Reis oder Teigwaren, Öl und Fett, Konserven, Mehl, Trockenhefe, Trockenfleisch, Fertiggerichte wie Rösti, Hartkäse, Bouillon, Salz, Pfeffer, Kaffee, Hülsenfrüchte, UHT-Milch, Zucker, Konfi, Honig, Nüsse, Dörrfrüchte, Futter für Haustiere)
  • Gebrauchsgüter (batteriebetriebenes Radio, Taschenlampe, Ersatzbatterien, Kerzen, Streichhölzer, Feuerzeug, Gaskocher, Rechaud, etwas Bargeld)
  • Hygieneartikel und Hausapotheke (Seife, WC-Papier, Desinfektionsmittel, 50 Hygienemasken pro Person, persönliche Medikamente)

Wenn ich mir die Liste so anschaue, fehlt da aber noch so einiges, was ich als Grundbedarf sehe und worauf ich nicht verzichten wollen würde – auch meinen Mitmenschen zuliebe. Zahnpaste und Zahnbürste zum Beispiel... Aber gut.

Level II: Kochen ohne Strom

Bei der Notvorrats-Liste komme ich noch mit. Jetzt aber geht's auf Stufe II für Fortgeschrittene: Kochen ohne Strom. Die Sätze lesen sich verlockend: «Kochen mit dem Notvorrat muss nicht langweilig und eintönig sein. Schauen Sie sich unsere Rezepte für eierlose Pancakes und Mandel-Couscous an.» Veganer*innen dürfen aufatmen! Um die Leserschaft nicht übermütig werden zu lassen, wird's dann aber gleich wieder ernster im Tonfall: «Im Ernstfall sollten Sie und Ihre Angehörigen bis zu sieben Tage vom Notvorrat zehren können.» Bevor sie verhungern oder eher bevor sie sich wegen dem schlechten Essen umgebracht haben?

Notfall-Koch-Literatur

Doch damit ist noch nicht Schluss. Es gibt noch mehr Spannendes zu entdecken auf der Info-Seite des Kantons! Ein Rezeptbuch «Kochen ohne Strom» nämlich, herausgegeben vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. «Von den Gewinnerinnen und Gewinnern des bundesweiten Rezeptwettbewerbs». Für Schnellbesteller sei hier die ISBN notiert: 978-3-8094-4515-9. Und weil eins bekanntlich keins ist, ist auch noch ein zweites Buch «Lecker kochen im Notfall» von Paula Keck gelistet (ISBN 978-3-7423-1550-2).

BBQ-Fans und Camper dürfen sich freuen

Wer zu Hause einen Holzkohle-Grill, Gasgrill, Gaskocher vom letzten Campingurlaub oder gar ein Cheminée hat, der kann sich freuen. Denn damit lässt sich bei Stromausfall natürlich wunderbar auskommen (zwar nicht mit gegrilltem Fleisch, denn das wäre ungekühlt ja eher heikel). Auch das antike Fondue-Caquelon von der Grossmutter bekommt da eine ganz neue Bedeutung und sollte weg von der hintersten Ecke im Keller sozusagen an die vorderste Notvorrat-Front. Dabei kommt mir das "Gamellen-Brot"-Rezept in den Sinn, von dem ich neulich in einem Buch gelesen habe. Da erlebt also auch die Armee-Ausrüstung vom Mann oder Papi ein Revival.

Wenn ich mir die Tipps, Checklisten und Rezepte so anschaue, wird schnell klar: Meine Vorrats-Liste würde mit all den Tipps leicht anders aussehen und müsste noch ergänzt werden. Beispielsweise um Weisswein und Schnaps fürs Fondue, Fondue-Fertigmischung, gaaaaanz viel Beutelsuppen – in vielen gluschtigen Variationen natürlich, damit Mann und Kind nichts zu meckern haben – 1 Gasflasche als Reserve (Achtung: Nicht im Keller lagern!) und eine Löschdecke. Wenn Frau am Grill hantiert ist schliesslich Vorsicht geboten.

Notvorrat ohne Schokolade?

Was ich nun aber so gar nicht verstehen kann, ist, dass auf der Notvorrat-Liste der Schweiz doch tatsächlich die Schokolade fehlt. Ein No-Go, sorry. Müsste ich mich entscheiden, würde ich vorher auf einiges anderes auf der Liste verzichten. Aber auf Schokolade? Niemals!

Fifi und Fufu nicht vergessen!

Für Menschen mit Haustieren wird die Notvorrats-Liste natürlich noch einmal um einiges länger. Denn auch für die Vierbeiner oder singenden Zweibeiner muss genügend Nahrung und Trinkwasser vorhanden sein. Nicht dass Frauchen oder Herrchen am Ende noch Mäuse im Keller oder Insekten in der Natur jagen müssen.

Barbara Tudor, Chefredaktorin & Herausgeberin