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Wetzikon
16.01.2026

Kleinbusse in Wetzikon fraglich

Laut Stadtrat würden Kleinbusse, z. B. von oder nach Ettenhausen, zu wenig genutzt – bei hohen Kosten. (Symbolbild)
Laut Stadtrat würden Kleinbusse, z. B. von oder nach Ettenhausen, zu wenig genutzt – bei hohen Kosten. (Symbolbild) Bild: ZO24/ChatGPT
Der Stadtrat kommt zum Schluss, dass ein Netz an Kleinbussen für einzelne Quartiere derzeit nicht realisierbar ist. Er schlägt vor, das Thema nach Abschluss des Gesamtverkehrskonzepts weiterzuverfolgen.

Mit diesem Postulat wurde der Gemeinderat beauftragt, zu prüfen, ob ein Konzept ausgearbeitet werden soll, das zusätzlich zum bestehenden Busnetz den Einsatz von Kleinbussen vorsieht. Ziel ist eine bessere Erschliessung von Quartieren und Aussenwachten sowie mehr Flexibilität im lokalen ÖV-Angebot.

Das Postulat war ursprünglich als Motion eingereicht worden, wurde jedoch am 14. April 2025 vom Parlament in ein Postulat umgewandelt. Damit verpflichtete sich der Stadtrat, innerhalb von neun Monaten einen Bericht zu erstatten und dem Parlament einen Antrag vorzulegen.

Konzept gefordert

Gemäss dem Postulat soll geprüft werden, ob Kleinbuslinien zusätzlich zu den bestehenden Grossbussen im öffentlichen Verkehr eingeführt werden sollen. Diese Linien hätten mehrere Aufgaben: Quartiere und Aussenwachten besser mit dem ÖV zu verbinden, Quer- und Tangentialverbindungen zu schaffen, Umsteigemöglichkeiten zu bestehenden Grossbuslinien anzubieten, den Zugang zum Bahnhof Kempten zu verbessern und saisonale Verbindungen wie etwa zum Strandbad Auslikon zu ermöglichen.

Zudem wurde angeregt, den Betrieb der Kleinbusse zu unterschiedlichen Tageszeiten flexibel zu gestalten – zu Hauptverkehrszeiten als Linienbusse und in den Nebenzeiten als Rufbusse oder Semi-Rufbusse. Raumplanerische Vorkehrungen im Rahmen der Ortsplanungsrevision sowie die Finanzierung des Projekts sollten geprüft werden.

Erste Überlegungen angestellt

Im Rahmen der Erarbeitung des Gesamtverkehrskonzepts der Stadt Wetzikon wurden bereits erste konzeptionelle Überlegungen zum Einsatz von Kleinbussen angestellt. Zunächst wurden die im Postulat formulierten Forderungen in einer Auslegeordnung systematisch analysiert. Anschliessend wurden anhand von exemplarischen Varianten aufgezeigt, wie ein Kleinbusnetz theoretisch aussehen könnte, und es wurde eine grobe Abschätzung der Kosten vorgenommen.

Erschliessung der Aussenwachten

Ein zentraler Bestandteil der Analyse war die Frage, wie Aussenwachten wie Schöneich, Morgen, Frohberg, Robank, Linggenberg oder Ettenhausen mit dem ÖV besser erschlossen werden können. In diesen Gebieten sei die Bevölkerungsdichte jedoch verhältnismässig gering, so dass die erwartete Nachfrage nach einem solchen Angebot «sehr klein» sei.

Eine Verlängerung bestehender Buslinien in dünn besiedelte Gebiete habe ebenfalls ein ungünstiges Nutzen-Kosten-Verhältnis gezeigt. Zudem gelten viele dieser Aussenwachten laut Angebotsverordnung des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) bereits als mit ÖV erschlossen, was die Einführung weiterer Linien für den ZVV nicht prioritär mache.

Stadt müsste Kosten wohl selbst tragen

Sollte dennoch ein Angebot geschaffen werden, müsste die Stadt die Finanzierung wahrscheinlich vollständig übernehmen. Die Möglichkeit, künftig automatisiert fahrende Kleinbusse einzusetzen, sieht der Stadtrat als Chance, die Betriebskosten zu senken.

Zugang zum Bahnhof Kempten

Das Postulat fordert ausdrücklich eine bessere ÖV-Anbindung zum Bahnhof Kempten. Die Stadt plant derzeit den Bau einer Personenunterführung am Bahnhof, um die Zugänglichkeit für Fussgängerinnen und Fussgänger zu verbessern.

Eine vertiefte Analyse habe jedoch gezeigt, dass ein zentraler ÖV-Umsteigeknoten am Bahnhof Kempten weder heute noch im Rahmen eines Kleinbusnetzes besonders zweckmässig wäre. «Die dominierenden Umsteigebeziehungen im Nahverkehr konzentrieren sich eher auf den grösseren Bahnhof Wetzikon, wo schnellere und häufigere Bahnanschlüsse angeboten werden», schreibt der Stadtrat. Ausserdem würden Mobilitätsanalysen darauf hinweisen, dass viele potenzielle Nutzerinnen und Nutzer eines Kleinbusses eher innerstädtische Fahrten tätigen würden als gezielt zum Bahnhof Kempten.

Erschliessung der Quartiere

Ein weiteres zentrales Element der Betrachtung war die Erschliessung von Quartieren, in denen heute längere Fusswege zur nächsten Bushaltestelle anfallen. Erste Einschätzungen identifizierten verschiedene Quartiere als potenziell geeignet für Kleinbuslinien – darunter Vogelsang, Leisihalden/Weinbergstrasse, Guldisloo, Robenhausen Dorf, Aawiesen und Frohberg/Morgenhalden.

Auf dieser Basis wurden zwei beispielhafte Varianten eines Kleinbusnetzes entwickelt, die mit drei Linien im Halbstundentakt diese Quartiere besser anbinden würden. «Solche Varianten könnten die Wege zur nächsten Haltestelle verkürzen und zusätzliche Tangentialverbindungen schaffen, etwa zwischen Schönau und Oberwetzikon oder Buchgrindel und Ochsen», so der Stadtrat.

Alternativen und saisonale Verbindungen geprüft

Der Bericht beschäftigte sich ebenfalls mit alternativen Betriebsformen wie Rufbussen oder Semi-Rufbusangeboten. Diese funktionieren in der Regel nur auf Voranmeldung und sind eher in ländlichen Regionen verbreitet. Für Wetzikon erachtet der Stadtrat ein solches Modell derzeit als weniger zweckmässig, da die Hürde der Nutzung zu hoch und die Nachfrage zu gering wäre. Personalkosten und Dispositionsaufwand würden den möglichen Kostenvorteil gegenüber Linienangeboten stark reduzieren.

Saisonale Angebote wie eine Busverbindung zum Strandbad Auslikon wurden ebenfalls geprüft. Es besteht laut ZVV keine verbindliche Pflicht, solche Anlagen öffentlich zu erschliessen, und der ZVV würde ein saisonales Angebot voraussichtlich nicht finanzieren. Somit stünden die Stadt oder Dritte in der Pflicht, die Kosten zu tragen. Herausforderungen wären unter anderem die Auswahl sinnvoller Routen und der Umgang mit stark schwankender Nachfrage, etwa bei wechselhaftem Wetter.

Fragliches Kosten-Nutzen-Verhältnis

Für ein Kleinbusnetz mit drei Linien im Halbstundentakt schätzt der Bericht jährliche Kosten zwischen rund 1 und 1,5 Millionen Franken. Diese umfassen Fahrzeugbeschaffung und -amortisation, Betriebskosten und Personal.

Selbst bei reduzierten Betriebszeiten, etwa ohne Sonntagsverkehr, würden die Kosten weiterhin im hohen Bereich liegen. «Da die meisten betroffenen Gebiete als erschlossen gelten, würden diese Kosten – ohne Beteiligung des ZVV – vollständig von der Stadt getragen werden müssen», so der Stadtrat. Zudem verlange der ZVV einen Kostendeckungsgrad von mindestens 30 %, damit ein Versuchsbetrieb in den regulären Betrieb übernommen werden kann – ein Niveau, das bei Kleinbussen kaum realistisch sei.

Neue Technologien: «Keine Vorreiterrolle einnehmen»

Der Stadtrat verfolge schweizweit laufende Pilotversuche mit selbstfahrenden Fahrzeugen genau. «Sollte sich diese Technologie in der Praxis bewähren, könnten automatisierte Kleinbusse eine wirtschaftlichere Alternative darstellen.» Dabei wolle die Stadt jedoch keine Vorreiterrolle übernehmen, sondern Entwicklungen «sorgfältig beobachten und bei Eignung in Betracht ziehen». Beispielsweise könnten selbstfahrende Fahrzeuge für Aussenwachten eine Alternative für die Park&Ride-Nutzung darstellen.

Nachfrage wohl eher gering

Die Untersuchungen würden zeigen, dass ein Kleinbusnetz zwar einzelne Quartiere besser erschliessen und die ÖV-Nutzung in der Stadt verbessern könnte, die Zusatznachfrage aber wohl gering und die Kosten für die Stadt hoch wären. «Da kein klarer Anspruch auf zusätzliche Angebote gemäss ZVV-Angebotsverordnung besteht, schlägt der Stadtrat vor, das Postulat abzuschreiben, also als erfüllt zu betrachten.» Gleichzeitig betont er sein Interesse, das Thema nach Abschluss des Gesamtverkehrskonzepts und unter Einbezug künftiger technologischer Entwicklungen weiter zu verfolgen.

Weitere Beschlüsse des Stadtrats

Sitzung vom 7. Januar 2026

  • Der Stadtrat hat die Anfragen «Entwicklung der Eigentumsverhältnisse seit 2008» und «Entwicklung der Angebotsmieten seit 2021» beantwortet.
  • Der Stadtrat schliesst sich bezüglich der PBG-Teilrevision «Erleichtertes Bauen im Bestand» und «Störfallvorsorge» der Stellungnahme des Vereins Zürcher Gemeinde- und Verwaltungsfachleute (VZGV) an.
  • Als Nachfolge von Susanne Renold als Mitglied der Kommission für die Verwaltung von Fonds + Schenkungen im Bereich Soziales wurde Julie Tschierpe per 1. Januar 2026 für den Rest der Amtsdauer 2022–2026 gewählt.
  • Die Volksinitiative «Initiative für klimafreundliche Stadtentwicklung» erfüllt die formellen Voraussetzungen. Die sechsmonatige Sammelfrist endet am 13. Juli 2026.
  • Die Anpassung der SKOS-Richtlinien im Handbuch Sozialhilfe wurden genehmigt.
  • Der Stadtrat hat den Revisionsbericht 2025 der Sachbereichsrevision abgenommen.

> Beschlüsse im Detail

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