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Grüningen
28.11.2025
28.11.2025 16:51 Uhr

Glücksbringer-Ehepaar mit Unternehmergeist

Glück im Doppelpack: Rebekka Rüegg und ihr Mann Daniel Ramsauer sind privat wie beruflich ein eingespieltes Team.
Glück im Doppelpack: Rebekka Rüegg und ihr Mann Daniel Ramsauer sind privat wie beruflich ein eingespieltes Team. Bild: Daniel Ramsauer
Wer dem Kaminfeger-Ehepaar Rüegg-Ramsauer begegnet, merkt sofort: Hinter dem Besen stecken zwei voller Offenheit, Leidenschaft und Bodenständigkeit. Wie sie zu ihrem Unternehmen kamen und wie sie heute Geschäft und Familienleben unter einen Zylinder bringen, erzählen die beiden in einem sympathischen Gespräch.

Sie sorgen nicht nur für saubere Schornsteine, sondern bringen mit einem Lachen im Gesicht wahrlich ein bisschen Glück in die Häuser von Grüningen und Umgebung. Seit über 20 Jahren ist Rebekka Rüegg als Kaminfegerin in den Gemeinden Grüningen und Gossau tätig. Ihr Mann Daniel kam 2013 dazu. Gemeinsam mit ihren zwei Kindern leben sie seit 2023 in Grüningen. Genauso, wie sie es sich gewünscht haben – ländlich gelegen, mit der idealen Mischung aus Nähe zu Arbeit und Schule und einem Zuhause, das Ruhe und Natur verbindet. «Der Ausgleich in unserer grünen Oase tut uns allen gut», schwärmt sie. Mit sympathischer Offenheit erzählen die beiden von ihrem Alltag als Unternehmer und Familienmenschen.

Vom Sackgeld zum eigenen Betrieb

Zum Beruf Kaminfegerin kam Rebekka eher durch einen Schubs vom Leben als durch einen festen Karriereplan. Zwar half sie bereits als Schülerin im Betrieb ihres Vaters mit, um sich Taschengeld zu verdienen, doch ihre eigentliche Berufswahl war eine andere. Sie begann die Ausbildung zur Kleinkinderzieherin, musste sie jedoch frühzeitig abbrechen und nahm so das Angebot ihres Vaters an, die Lehre zur Kaminfegerin bei ihm zu starten. Eine Entscheidung, die sie bis heute nie bereut hat.

Entstanden sind, schätzt sie vor allem die Flexibilität. «Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist mir besonders wichtig», betont sie. Die Ausbildung beim eigenen Vater sei eine besondere Mischung aus Vorteil und Herausforderung gewesen: «Es ist wunderschön, dass ich mein Wissen von ihm übernehmen durfte. Als Teenager nahm ich seine Erklärungen aber nicht immer nur dankend an», erzählt sie lachend.

Heute ist Rebekka stolz, in seine Fussstapfen getreten zu sein. 2024 übernahm sie den Betrieb offiziell, zusammen mit ihrem Mann Daniel, der ebenfalls Kaminfeger und Feuerungskontrolleur ist. Nebst den vielen schönen Kontakten und Freundschaften, die über die Jahre entstanden sind, schätzt sie vor allem die Flexibilität.

Zusammen kümmern sie sich um die beiden Kinder und das Zuhause in Grüningen. «Unser grünes Umfeld schenkt uns den nötigen Ausgleich. So kann ich alles unter einen Hut bringen – auch wenn das manchmal eine kleine Logistikaufgabe ist.»

Verändertes Berufsbild

Mit dem Bild des schwarzen Mannes – Russ im Gesicht und Zylinder auf dem Kopf – habe der Beruf des Kaminfegers heute wenig zu tun. «Früher war die Arbeit körperlich deutlich anstrengender und schmutziger», weiss Daniel. Nicht umsonst kennen wir den Mythos vom russigen Glücksbringer, der einst dafür gesorgt hat, dass die Häuser nicht abbrennen. «Auch wenn die Hände nach wie vor schmutzig werden, liegt der Fokus unserer Arbeit inzwischen ganz woanders», so Daniel weiter.

Neben der Wartung der Heizungsanlagen übernehmen Kaminfegerinnen und Kaminfeger schon länger beratende Aufgaben – von Heiztechnik über Sicherheit bis hin zu Energieeffizienz. «Unser Beruf hat sich der Moderne angepasst. Viele Unternehmen verlagern ihre Arbeit in die Reinigung von Solar- und PV-Systemen und kümmern sich um Lüftungsanlagen.»

Eine Tradition sei allerdings geblieben, sagt Rebekka schmunzelnd: «Der Kaminfeger ist auch heute noch der einzige Beruf, bei dem eine Viertelstunde Duschzeit offiziell bezahlt wird.»

Frauen keine Seltenheit

Wer denkt, Rebekka sei als Frau eine Seltenheit im Beruf, liegt falsch. «In der Berufsschule waren wir sogar mehr Mädchen als Jungs.» Der Grund, weshalb sich das dann im Berufsleben ändert, kann sie nur vermuten: «Ich kann mir vorstellen, dass sich Frauen nach der Ausbildung eher umschulen oder den Beruf der Familie zuliebe wechseln.»

Eines steht fest: Rebekka und Daniel sind ein Paar mit Herz und einer grossen Portion Organisationstalent. So bleibt auch für die Familie immer genügend Energie, um aktiv zu sein. Am liebsten in der Natur: «Besonders gerne entdecken wir Erlebniswege und verbringen Zeit in unserem Garten.»

Dieser Beitrag ist am 28. November 2025 in der Grüninger Post erschienen.

Isabella Schütz
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