Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Bubikon
27.08.2022
28.08.2022 23:30 Uhr

Wetterpech für «Azzurro»

Bild: Martina Gradmann
Der melancholische Film «Azzurro» war das Highlight und der Abschluss des diesjährigen Kinos im Ritterhaus. Trotz strömendem Regen blieben die Zuschauenden und der anwesende Regisseur Denis Rabaglia bis zum Schluss.

Trotz schlechter Wetterprognose war für die Verantwortlichen klar, der Film wird gezeigt. Auch als es über dem Ritterhaus blitzte, donnerte und zu regnen begann und sich auch der anwesende Regisseur Denis Rabaglia skeptisch zeigte, kam eine Verschiebung für die Organisation nicht in Frage.

Weltpremiere in Bubikon

Schon vor 20 Jahren hatte man «Azzurro» nicht zeigen können, weil die Filmrolle verschwunden war und jetzt wollte man den Film endlich in höchster Qualität und als Weltpremiere zeigen. «Wir sind nicht Hollywood, Cannes oder Locarno, wir sind Bubikon», sagte Peter Ulrich in seiner Anmoderation, die kurzerhand nach drinnen verlegt wurde. «Gestern war der Projektor kaputt und Regenvorstellungen haben wir in 20 Jahren schon mehr als eine durchgeführt», ergänzte Vereinspräsidentin Ursula Lehmann.

Unrühmliche Geschichte der Gastarbeiter

Vordergründig ging es im Film «Azzurro» um den Nonno, der mit seiner blinden Enkelin in die Schweiz reist, wo er sich Hilfe für eine Augenoperation erhofft. Hintergründig ging es um die Situation der Gastarbeiter in der Schweiz und um eine unrühmliche Geschichte von beiden Seiten, wie Regisseur Rabaglia betont. «Italienische Gastarbeiter arbeiteten jahrelang für wenig Lohn, waren teilweise in Baracken untergebracht und bei der Schweizer Bevölkerung nur wenig akzeptiert. Doch keiner dieser Gastarbeiter erzählte zuhause in Italien je davon, wie es wirklich war. Sie galten als die Helden, die in der Schweiz ihr Geld verdient hatten. Das war also eine grosse Heuchelei von beiden Seiten.»

Regisseur Denis Rabaglia mit Marina Ulrich (links) und Ursula Lehmann vom Vorstand Kino-Ritterhaus. Bild: Martina Gradmann

Trotz Netflix ins Kino

Obwohl das Thema nicht neu ist, hat es nichts von seiner Aktualität eingebüsst. Viele Zuschauende zeigten sich betroffen, wie unwürdig die Schweiz die Gastarbeiter damals behandelte und gleichzeitig von ihnen profitierte.

Rabaglia selbst ist Einwanderer der dritten Generation, sein Grossvater war schon vor 100 Jahren in die Schweiz eingewandert. Sein Vater war selbst ein Unternehmer, der italienische Gastarbeiter in die Schweiz holte. Als Junge habe er sich solche Baracken angeschaut und schnell gemerkt, dass dieses Leben eigentlich «un pezzo di Merda» gewesen sei. Rabaglia sagte allerdings auch: «Es ist mir eine Ehre hier bei Ihnen zu sein und dass sie trotz Netflix und Streaming gekommen sind, um einen Film anzuschauen, der schon 20-jährig ist.»

Geehrt wurden auch sämtliche Mitarbeitenden des Kinos für ihren unermüdlichen Einsatz während 20 Jahren, für ihre Freundlichkeit und ihren Enthusiasmus.

Martina Gradmann