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Bubikon
24.06.2022
01.07.2022 14:26 Uhr

Im Einsatz für mehr Biodiversität

Biodiversität liegt ihnen am Herzen, Hanna Scheuring und Daniel Rohr helfen mit, das Schnittgras auf der Fläche zu verteilen. Bild: Martina Gradmann
Zum 100-Jahr-Jubiläum von BirdLife Schweiz wurde im Garten von Daniel Rohr und Hanna Scheuring in Bubikon – gemeinsam mit dem lokalen Naturschutzverein – eines von 100 Naturjuwelen umgesetzt.

Es ist warm und feucht, beste Voraussetzungen, damit das Transplantat anwachsen und sich versamen kann. Transplantat? «Den Grasschnitt, den wir hier auf der vorbereiteten Fläche verteilen, kommt von einer sogenannten Spenderwiese aus Wetzikon. Wenn wir dieses genetische Material ausbringen, reden wir von Transplantation», erklärt Raffael Ayé, Präsident von BirdLife Schweiz.

Von Wetzikon nach Bubikon

Am Freitag Morgen war in Wetzikon eine alte Naturwiese gemäht und der Schnitt nach Bubikon zum Bauernhaus von Daniel Rohr, Schauspieler und Leiter des Theater Rigiblick, und Hanna Scheuring, Leiterin des Bernhardtheaters, gebracht worden. Gemeinsam mit den Co-Präsidentinnen des Vereins Natur und Umwelt Bubikon-Wolfhausen, Franziska Angele und Katharina Honegger, wurde der Grasschnitt auf der Fläche verteilt, auf der zuvor ein Vegetationsabtrag gemacht worden war. Beaufsichtigt wurde das Ganze von Tizian Frey, Leiter Fachbereich Naturschutz, bei der SKW AG.

Engagement für mehr Biodiversität

Die angelegte Trockenwiese ist ein Teil eines Naturjuwels für mehr Natur in der Gemeinde Bubikon. Ermöglicht haben das auch Daniel Rohr und Hanna Scheuring, die sich seit ihrem Einzug in das Bubiker Bauernhaus für mehr Biodiversität einsetzen. «Der Bauer, dem dieses Landstück gehört, konnte es an dieser Lage nur schlecht nutzen. Wir einigten uns, dass wir diesen Teil in eine Naturwiese verwandeln können», erklärt Daniel Rohr.

Interesse an natürlichen Lebensräumen

Sie beide seien ohne grosse Ahnung von der Stadt aufs Land gezogen, hätten sich immer mehr für die natürlichen Lebensräume interessiert und dazugelernt. «Der ganze Hang hinter dem Haus war bis vor ein paar Jahren mit der armenischen Brombeere überwuchert, die wir in langwieriger Arbeit ausgepickelt haben», so Rohr.

Mit rund 100 einheimischen Sträuchern, einer Blumenwiese und vielen weiteren Strukturen haben die beiden dann für mehr Diversität gesorgt. Mit der Trockenwiese führen sie ihr Werk fort und freuen sich über jede neue einheimische Pflanzen- oder Tierart, die sich in ihrem Garten ansiedelt. «Auch bei diesem Projekt mit der Trockenwiese hat einmal mehr der ganze Weiler zusammen gespannt», freuen sich die beiden.

  • Setzen sich seit Jahren für mehr Biodiversität und Lebensräume ein: Daniel Rohr und Hanna Scheuring in ihrem Bauernhaus in Bubikon. Bild: Martina Gradmann
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  • Aufgeschichtetes Altholz als Lebensraum für Kleintiere. Bild: Martina Gradmann
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  • Wildbienen lieben auch Sandflächen. Bild: Martina Gradmann
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Lebensraum für den Neuntöter

Trockenwiesen bedeuten Lebensraumaufwertung – auch für den Neuntöter. Der Bestand dieses attraktiven Langstreckenziehers hat sich seit 1993 – 1996 gesamtschweizerisch halbiert. Für die Aufzucht seines Nachwuchses ist der Vogel auf Insekten angewiesen – diese wiederum benötigen unter anderem bunte Wiesen. Doch gerade diese sind deutlich zurückgegangen. Und die Lebensraumqualität nimmt weiter ab. Der Neuntöter wird in der neuen Roten Liste daher als potenziell bedroht (NT) eingestuft. «Es ist das sechste Massenaussterben, weltweit sind eine Million Arten verloren gegangen», sagt dazu BirdLife Präsident Ayé. Allein in der Schweiz würden mehr als ein Drittel der Arten auf der roten Liste stehen.

«BirdLife ist quicklebendig, die Patientin ist die Biodiversität.»
Raffael Ayé, Präsident BirdLife Schweiz

Operation geglückt

Neben den einheimischen Sträuchern hat Rohr auch Lebensräume für Kleintiere in Form von Steinhaufen und Holzbeigen geschaffen und für Wildbienen eine Sandfläche angelegt. Unterstützung bekam er dabei durch Tizian Frey von SKW AG, der den beiden mit seinem grossen Knowhow zur Seite stand.

In der artenreichen Trockenwiese in Wetzikon war das Organ zur Transplantation gefunden worden, denn das Genmaterial war für die Transplantation innerhalb weniger Kilometer ideal. Die Wiese wurde also gemäht und das Gras als Spende auf die vorbereiteten Flächen in Bubikon ausgebracht. Und wenn das Wetter mitspielt, kann man im wahrsten Sinne von einer geglückten Operation sprechen.

Naturschutz auf allen Ebenen

Mit 68'000 Mitgliedern, 430 lokalen Sektionen und 20 Kantonalverbänden ist BirdLife Schweiz Teil des grössten Naturschutz-Netzwerks der Welt. Gerade die lokale Verankerung ermöglicht es, Naturschutz besonders effektiv auszuführen.

Zum 100-Jahr-Jubiläum von BirdLife Schweiz setzen die Ebenen gemeinsam das Projekt «100 Naturjuwelen» um. Ziel des Projektes ist es, dass mindestens 100 Sektionen wertvolle Lebensräume für die Biodiversität schaffen oder aufwerten, die zusammen ein ganzes Naturjuwelen-Mosaik ergeben.

Bereits sind über 130 Projekte geplant oder in Umsetzung. Der Verein Natur und Umwelt NVU Bubikon ist seit 2022 Mitglied bei BirdLife Zürich und BirdLife Schweiz.

www.birdlife.ch
www.natur-umwelt-bubikon-wolfhausen.ch

Martina Gradmann