Insekten gelten als nachhaltige und eiweissreiche Alternative zu Fleisch. Dennoch landen sie in der Schweiz bisher selten auf dem Teller. Eine neue Studie unter der Leitung der HAFL, der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften der Berner Fachhochschule, zeigt, warum: Nicht Fakten zu Nährwert oder Klimaeffekten entscheiden über das Interesse an Insektenprodukten, sondern vor allem Geschmack, Emotionen – und sogar unbewusste Assoziationen.
Publiziert wurde die Arbeit im Open-Access-Journal «Future Foods». Finanziert wurde sie unter anderem vom Schweizerischen Nationalfonds im Rahmen eines vietnamesisch-schweizerischen Forschungsprogramms.
Nachhaltig reicht nicht: Der erste Bissen zählt
«Egal, wie gut die Menschen über Insekten als gesunde, nährstoffreiche und nachhaltige Nahrungsmittel Bescheid wissen, dies allein weckt kaum Interesse», wird Thomas Brunner, Dozent für Konsumentenverhalten an der HAFL, in einer Mitteilung zitiert. Entscheidend seien Erfahrungen: Wer ein Produkt mit Insekten probiert und es als schmackhaft empfindet, zeigt deutlich mehr Bereitschaft, solche Produkte künftig zu essen.
Damit rückt die Studie eine oft unterschätzte Komponente ins Zentrum: Gefühle beim Essen. Ob ein Produkt «Sicherheit» und «Freude» auslöst oder eher «Sorge» und «Ekel», beeinflusst die Offenheit spürbar. Auch die unbewusste Grundhaltung spielt mit – also spontane, automatisch abrufbare Verknüpfungen, die wir selbst nicht immer benennen können.