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Grüningen
25.08.2022
25.08.2022 13:46 Uhr

Wird der Strom bald teurer?

Die Strompreisentwicklung in der Schweiz steigt markant an. Bild: zvg
Höhere Treibstoffkosten, steigende Energiekosten … Nach der Corona-Pandemie sorgt der gegenwärtige Krieg in der Ukraine für Unsicherheiten und Angst vor höheren Kosten und einer Strommangellage.

Seit Januar 2022 hat die Energie Grüningen AG die Aufgaben des EW Grüningen übernommen und kümmert sich um die Stromversorgung der Gemeinde. Martin Pflugshaupt gibt Antworten auf aktuelle Fragen zur Strompreisentwicklung und zum gefürchteten Strommangel.

Grüninger Post: Wie haben sich die Strompreise für Verbraucher seit Anfang Jahr entwickelt?

Martin Pflugshaupt: Für unsere grundversorgten Kunden gelten die publizierten Strompreise jeweils für ein Kalenderjahr. Somit bleiben für sie die publizierten Preise 2022 bis Ende Jahr gleich.

Wann muss man mit höheren Strompreisen rechnen?

Nach der ersten Abrechnung im Jahr 2023 werden die erhöhten Stromkosten für die Verbraucher sichtbar. Die Tarife für 2023 werden bis zum 31. August 2022 festgelegt und publiziert.

Der Strompreis setzt sich aus den staatlichen Abgaben, der Netznutzung und den Energiekosten zusammen. Die Marktpreise der Energie sind förmlich explodiert. Für nächstes Jahr werden die Abgaben für die Swissgrid von 0,16 Rp/kWh auf 0,46 Rp/kWh erhöht. Auch werden nächstes Jahr die Netznutzungskosten des Vorlieferanten um 10 Prozent steigen. Angezogen haben die Energiepreise allerdings schon 2021. Der Krieg in der Ukraine hat das Ganze noch massiv beschleunigt. Heute ist der Strom achtmal teurer als vor einem Jahr.

«Die Preise werden zukünftig deutlich steigen.»
Martin Pflugshaupt, Geschäftsführer Energie Grüningen AG

Was bedeutet das für die zukünftigen Preise?

Verteilt auf definierte Zeitpunkte, kaufen wir gemeinsam mit anderen EW Energie ein. Dank unserer vorausschauenden Beschaffungsstrategie konnten wir die Preiserhöhung mehrheitlich glätten – jedoch nicht verhindern. Bezogen auf die aktuelle Situation heisst das: Die Preise werden zukünftig deutlich steigen, weil wir jetzt für diese Zeit einkaufen müssen. Alles andere wäre Spekulation.

«Eine Strommangellage wäre das Worst-Case-Szenario.»
Martin Pflugshaupt

Wird es zu einer Strommangellage kommen?

Das wäre das «Worst-Case-Szenario», doch tatsächlich kann ich es nicht sagen, weil dabei verschiedene Faktoren mitspielen. Der Bund hat schon vor langer Zeit eine Gefahrenlage erstellt, und die Energieversorgung war dabei ein grosses Risiko. Aktuell liegt der Ball beim Bundesrat. Tatsache ist allerdings, dass wir auf Stromimporte angewiesen sind. Wenn wir weniger Wasser in unseren Stauseen haben, Frankreich weniger Atomstrom liefert, Putin den Gashahn zudreht und ein strenger Winter auf uns zukommt, dann haben wir ein Problem.

Wer wäre davon betroffen?

Die Vorgaben kommen von der OSTRAL, der Organisation für Stromversorgung in ausserordentlichen Lagen, des Bundes. Diese müssen wir umsetzen. Käme es zu einer Strommangellage, würde das bedeuten, dass es in einem ersten Schritt Sparappelle an die Bevölkerung gäbe, in einem zweiten Schritt Verbrauchereinschränkungen (Hallenbäder, Solarien, Saunen, Schaufenster etc.), die dritte Stufe wären Kontingentierungen, von denen grössere Stromverbraucher betroffen wären. Und wenn es nicht mehr anders ginge, käme es zu partiellen Stromabschaltungen. Was das  bedeuten würde, will ich mir allerdings gar nicht vorstellen.

Gerne werden wir in der nächsten Ausgabe der «Grüninger Post» detaillierte Auskunft zu den Strompreisen 2023 geben und über weitere Aktualitäten der Strombranche berichten.

Stromspar-Tipps für Haushalte

  • Aufs Vorheizen des Backofens verzichten, bei längeren Backzeiten den Backofen schon vor Garende ausschalten, im Umluft-Modus backen.
  • Geschirrspüler: Fassungsvermögen voll ausnützen, Sparprogramme verwenden, kleine Geschirrmengen von Hand abwaschen.
  • Kochen: Isolierpfannen mit geschlossenem Deckel verwenden, Wärme der Kochplatte frühzeitig reduzieren, Restwärme nutzen.
  • Kühlschrank: Temperatur auf 5–7°C einstellen, Tiefkühler auf –18°C. Warme Speisen erst abkühlen lassen, bevor man sie in den Kühlschrank stellt.
  • Licht nicht unnötig brennen lassen, auf energieeffiziente LED-Lampen umrüsten.
  • Geräte wie TV, Computer und Kaffeemaschine immer ganz ausschalten (Geräte brauchen auch im Stand-by-Modus Strom)
  • Waschen: Kochwäsche mit 60° statt mit 95° waschen, Fassungsvermögen der Maschine voll ausnutzen. Wäsche im Freien trocknen statt mit dem Tumbler.
  • Duschen statt baden (verbraucht 5-mal weniger heisses Wasser)
  • Weniger heizen: Im Wohnzimmer machen 20 bis 22 Grad Sinn, im Schlafzimmer sind 17 Grad optimal.

Weitere Infos: www.energie-grueningen.ch

Martina Gradmann