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Gossau ZH
19.01.2022
19.01.2022 23:23 Uhr

Coworking Space-Idee stösst auf wenig Echo

Nur wenige folgten der Einladung zur Informationsveranstaltung in der Gossauer AL-Arena. Bild: Barbara Tudor
Die Gemeinde Gossau ZH hat am 19. Januar zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung zum Thema Coworking Space eingeladen. Gekommen sind nur wenige. Und auch an der vorgängig durchgeführten Umfrage haben nicht besonders viele teilgenommen.

Ende 2021 kommunizierte die Gemeinde Gossau ZH, dass sie zusammen mit der VillageOffice Genossenschaft ein "zukunftsweisendes Gemeinschaftsbüro" in der Gemeinde ermöglichen will, einen sog. Coworking Space (Zürioberland24 berichtete). Dazu lud sie im Dezember 2021 einerseits zu einer Online-Umfrage ein, andererseits zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung in der AL-Arena, die am 19. Januar stattfand.

Gemeinde gibt Anstoss

Jörg Kündig, Gemeindepräsident von Gossau ZH, begrüsste die Anwesenden und erläuterte, wie es zu der Idee des Coworking Space für Gossau ZH gekommen ist. Der Ursprung sei eine Potenzialanalyse gewesen, welche von der Standortförderung Zürcher Oberland durchgeführt wurde, und die zum Schluss gekommen sei, dass die Gemeinden Gossau ZH und Pfäffikon ZH dafür in Frage kämen.

Kündig machte aber gleich zu Beginn klar: Die Gemeinde will das Ganze anstossen und behilflich sein. Die Umsetzung aber müssten andere übernehmen – das Gewerbe, Organisationen und Menschen aus der Gemeinde.

Interesse scheint gering

An der Online-Umfrage nahmen gemäss Informationen von Cornelia Hasler, Projektentwicklerin bei CommunityOffice, insgesamt 59 Personen teil. Von diesen 59 Teilnehmenden waren 79% Einwohner:innen der Gemeinde Gossau. Die übrigen waren Vertreter aus Gewerbe, Wirtschaft und von Vereinen. Nur 22 der Befragten sind effektiv an einem Coworking Space interessiert. Und gerade einmal 12 Personen wären bereit, beim Aufbau eines Coworking Spaces aktiv mitzuhelfen.

Auch das Interesse an der Informationsveranstaltung war mit ca. 10 Teilnehmenden bescheiden. Von Gemeindeseite waren eine Handvoll Vertreter:innen vor Ort, darunter auch Gemeinderätin Elisabeth Pflugshaupt.

Jörg Kündig (rechts) und Cornelia Hasler führten unter anderem durch den Abend. Bild: Barbara Tudor

Arbeitsmodell mit vielen Vorteilen

Dabei ist die Idee eines Coworking Spaces – sie entstand vor 17 Jahren in Amerika – spätestens seit Ausbruch der Corona-Pandemie und den vielen Homeoffice-Erwerbstätigen aktueller denn je. Und die Vorteile, die ein solches Arbeitsmodell in der Wohngemeinde oder näheren Umgebung mit sich bringt, liegen auf der Hand: Wenn mehr Menschen dort arbeiten können, wo sie auch wohnen, gewinnen sie Freizeit, die Verkehrsinfrastruktur wird entlastet, der CO2-Ausstoss wird gesenkt und das lokale Gewerbe profitiert, weil vermehrt im Dorf statt auswärts eingekauft wird.

Laut CommunityOffice könnte alleine die Gemeinde Gossau mit einem Coworking Space 115 Mio. Arbeitsweg-Kilometer einsparen. Pro Jahr.

Immer mehr Coworking Spaces in der Schweiz

Gemäss CommunityOffice, einem Anbieter für Coworking und Shared-Work-Place Projekte aus Basel, steigt die Zahl an Coworking Spaces in der Schweiz kontinuierlich an. Während es 2016 80 solcher Gemeinschafts-Arbeitsstätten gab, waren es 2018 bereits 150 und 2021 schon rund 250.

Gruppenarbeiten für Bedürfnisabklärung

Nach einigen Informationen über die Vorteile von Coworking Spaces und Beispielen aus der Schweiz, luden die beiden Vertreter von CommunityOffice die Anwesenden zu einer kleinen Gruppenarbeit ein. Dabei sollten sie an 3 Stationen à 10 Minuten Ideen und Wünsche formulieren, welche sie an einen künftigen Coworking Space in Gossau ZH hätten.

In kleinen Gruppen wurden die Bedürfnisse für einen Coworking Space in Gossau ermittelt. Bild: Barbara Tudor

Kaffeemaschine, Parkplätze, WLAN

Eine der Fragen lautete, welche Anforderungen man an einen Coworking Space in Gossau stelle. Die meisten Ideen, die von den drei Gruppen notiert wurden, waren ziemlich trivial: WC, Parkplätze, Internetverbindung, Kaffeemaschine. Spannender wurde es bei der Frage, welche bestehenden Angebote der Gemeinde in einen Coworking Space eingebunden werden sollten. Da kamen etwa das Gossauer Gewerbe, Schule, öV, Velowege und die bestehenden Räumlichkeiten wie AL-Arena, Cevi-Haus und auch der "Leue" auf den Flipchart.

Bei der Frage, welche Anforderungen ans Kernteam einer Corworking-Organisation gestellt würden, gingen die Meinungen schon etwas auseinander. Während die einen vor allem Fachleute und "Macher" mit Erfahrung im Kernteam sehen, finden andere es wichtig, dass auch Junge und "Kreative" Teil des Kernteams sind. Einig war man sich darin, dass es "Leaderfiguren" und Teamplayer sein müssen.

Spannend war unter den Inputs vor allem der einer Frau im Rollstuhl: Die Jungunternehmerin wünscht sich einen Coworking Space, der barrierefrei zugänglich ist und eine entsprechende Infrastruktur wie zum Beispiel höhenverstellbare Pulte bietet.

Genug "Space" im Insta-Haus

Andy Leutenegger, Gossauer Unternehmer und AL-Arena Hallensponsor, der bei der Info-Veranstaltung ebenfalls vor Ort war, warf in die Runde, dass im "Insta-Haus" im Gossauer Industriequartier Platz für ca. 20 Arbeitsplätze samt Infrastruktur wie Empfang etc. zur Verfügung stünden und dort sofort losgelegt werden könne.

Jetzt liegt der Ball bei den Gossauer:innen

Jörg Kündig machte bereits in seiner Begrüssung deutlich, dass die Gemeinde wohl helfe, das Projekt anzustossen – dazu gehörte auch der Informationsanlass. Für die weiteren Schritte müsse sich jetzt aber eine Zahl an Freiwilligen finden, welche bereit seien, den Faden aufzunehmen.

Emanuel Forny, Coach bei CommunityOffice, lud die Anwesenden zum Schluss der Veranstaltung ein, sich unverbindlich in eine Liste einzutragen, wenn man Interesse hat, im Projekt mitzuhelfen. Die Begeisterung hielt sich – passend zur Umfrage und wenig überraschend – in Grenzen. So ist fraglich, ob aus der an sich innovativen und zukunftsgerichteten Idee mehr wird als einfach ein Informationsanlass mit drei gefüllten Flipchart-Seiten.

Es mag am Zeitpunkt des Aufrufs Ende Dezember gelegen haben, an der derzeit heiklen Covid-Situation oder auch daran, dass die Zeit für einen Coworking Space in Gossau ZH einfach noch nicht reif ist. Das Projekt an sich wäre allemal spannend.

Aufruf an die Bevölkerung

Als ahnte er schon, dass sich wohl nicht viele der Anwesenden als Freiwillige melden würden, rief Jörg Kündig die beiden anwesenden Medienvertreter von Zürioberland24 und vom "Zürcher Oberländer" abschliessend dazu auf, über den Anlass zu berichten und die Gossauerinnen und Gossauer dazu zu animieren, sich als Projektmitwirkende oder Unterstützer zu melden. Was wir hiermit natürlich gerne tun:

Interessierte, welche am Projekt Coworking Space in Gossau ZH teilnehmen bzw. aktiv mitwirken möchten, können sich gerne bei Matthias Graf, stv. Gemeindeschreiber von Gossau ZH, melden: matthias.graf@gossau-zh.ch

www.communityoffice.ch
www.villageoffice.ch

Was ist Coworking?

Coworking (auch Co-Working, englisch für „zusammenarbeiten“ bzw. koarbeiten oder kollaborativ arbeiten) ist eine Entwicklung im Bereich "neue Arbeitsformen". Freiberufler, kleinere Start-ups oder digitale Nomaden arbeiten dabei in meist grösseren, verhältnismässig offenen Räumen und können auf diese Weise voneinander profitieren.

Sie arbeiten entweder voneinander unabhängig in unterschiedlichen Firmen und Projekten oder entwickeln mit anderen Coworkern gemeinsam Projekte.

"Coworking-Space" ist ein Anglizismus für Geschäftskonzepte, die Arbeitsplätze und Infrastruktur (Netzwerk, Drucker, Scanner, Fax, Telefon, Beamer, Besprechungsräume) zeitlich befristet zur Verfügung stellen. Der Unterschied zur Bürogemeinschaft ist die Mischung verschiedener Berufe und die geringere Verbindlichkeit.

Quelle: Wikipedia

Barbara Tudor