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Grüningen
03.10.2021
03.10.2021 15:37 Uhr

Weinlese in Grüningen: «Die Qualität ist gut»

Weinbauer Daniel Müller von Davinum Grüningen bei der diesjährigen Wümmete. Bild: Martina Gradmann
Im Zürcher Oberland ist die Weinlese im Gang. Wochen später als in anderen Jahren üblich, ergibt die Wümmete in Grüningen zwar einen kleineren, aber qualitativ guten Ertrag.

Auf dem Schlüssberg in Grüningen ist die Weinlese in vollem Gang. In den Rebhängen steigen Weinbauer Dani Müller von Davinum Grüningen und zahlreiche Helferinnen und Helfer von Rebe zu Rebe, begutachten die Trauben, schneiden sie ab und füllen sie in die bereit stehenden orangen Kisten. So spät im Jahr sei noch nie geerntet worden, sagt Dani Müller, doch heuer und dank den warmen September-Tagen seien die Voraussetzungen für aromatische Weissweine sehr gut.

Weniger, dafür wertvoll

Dieses Jahr muss allerdings auch der Grüninger Weinbauer einen grossen Ertragsausfall in Kauf nehmen. «Wir werden 50 Prozent weniger Garanoir und rund 40 Prozent weniger Solaris ernten. Aber ich freue mich, dass ich überhaupt Trauben habe. Andere haben gar nichts.»

20'000 - 25'000 Flaschen ergebe die Ernte in einem normalen Jahr, so Müller. Dieses Jahr werden es voraussichtlich nur 15'000 Flaschen sein. 70 Prozent gehen an Private, 30 Prozent in die Gastronomie.

Pilzresistente Sorten sei Dank

Angefangen habe das Weinjahr 2021 mit den vielen Frosttagen im April. Weiter ging's mit den häufigen und starken Niederschlägen im Sommer. Dazu kam, dass Temperaturschwankungen zu einer wahren Pilzküche geführt haben. Darum musste Dani Müller die Strategie ändern und häufiger spritzen. «Mein Ziel ist ein rein biologischer Anbau, doch das war dieses Jahr nicht möglich.» Er sei zum Glück weder von Hagel noch von Mehltau betroffen gewesen, was auch mit seinen pilzwiderstandsfähigen Sorten (PIWI) zu tun habe, meint Müller. 75 Prozent seiner Reben sind solche Sorten. Doch der Anteil an PIWI-Reben sei in der Schweiz mit drei Prozent noch klein. «Die Bauern merken jetzt aber, dass es mit den konventionellen Sorten nicht funktioniert.»

Wer kann, geht zum Wümmen

Die Wümmete ist in Grüningen jedes Jahr ein Ereignis. Meist wollen mehr Ernte-Freiwillige mithelfen als gebraucht werden. Weil sich die Ernte nach dem Wetter richtet und kaum im Vorfeld planbar ist, sind es viele Pensionierte, die kurzfristig einspringen. Die Freude am Wein und am gemeinsamen Arbeiten verbindet. Der Abschluss wird mit einem "Wümme-Essen" im Räbhüsli begangen.

  • Wümmete in Grüningen mit freiwilligen Helfer*innen Bild: Martina Gradmann
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  • Fast 50 Prozent weniger Ertrag im Weinberg in Grüningen Bild: Jean-Pierre Schranz
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  • Wümmete in Grüningen Bild: Jean-Pierre Schranz
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  • Wümmete in Grüningen mit freiwilligen Helfer*innen Bild: Jean-Pierre Schranz
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Warum sind die roten Trauben weiss?

Bei Davinum im Schlüssberg Grüningen wird das weisse Mittel «Surround» auf die Trauben gespritzt, das aus Kaolin – weisser Tonerde – besteht. Es ist ein natürlicher Stoff, der weder für Menschen gefährlich ist, noch den Geschmack der Trauben oder des Weines beeinflusst. Kaolin wird auch in der Lebensmittelbranche und in der Kosmetik verwendet. 

Im Rebbau schützt dieses natürliche Tonerdenpräparat die Trauben vor der Kirschessigfliege Drosophilia Suzuki. Es stärkt die Haut der Trauben und verwirrt mit der weissen Farbe das Fliegenweibchen, welches dadurch keine Löcher in Trauben bohrt, um dort ihre Eier abzulegen.

Davinum Grüningen ist der einzige Vollerwerbsbetrieb im Zürcher Oberland. Geleitet wird er von Dani Müller mit Unterstützung von Lukas Pflugshaupt, der ab 2024 den Betrieb übernehmen wird.

Martina Gradmann