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22.09.2021

Einblicke in die VZO-Zentrale Grüningen

Disponent Muntwyler hat auf der Leitstelle der VZO jeden Bus im Auge. Bild: Martina Gradmann
Im Zürcher Oberland, in Uster und am Zürichsee betreiben die VZO fahrplanmässige Buslinien. Um den ganzen Betriebsablauf sicherzustellen, braucht es eine ausgeklügelte Organisation. Ein Blick hinter die Kulissen des regionalen Busbetriebes.

Vier Bus-Depots besitzen die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland VZO. Eines in Rüti, eines in Meilen, das grösste davon in Wetzikon und eines in Grüningen. Die Administration, das Fundbüro, die Werkstatt und die Betriebsleitung sind in Grüningen angesiedelt, was viele Bewohner*innen auch ein bisschen stolz macht. Die Einladung der FDP Grüningen zur Betriebsbesichtigung der VZO nahmen denn auch zahlreiche Interessierte an. So viele, dass die VZO-Verantwortlichen BAG-konform drei Führungen und mehrere Klein-Gruppen bilden mussten. «Wir haben hier bei der VZO ein strenges Corona-Regime, weil wir es uns nicht leisten können, dass Mitarbeitende ausfallen oder krank werden», erklärte Joe Schmid, Leiter Angebot und Markt und Qualitätsbeauftragter bei den Verkehrsbetrieben.

Busse werden aufwändig desinfiziert

104 Fahrzeuge, 343 Mitarbeitende, davon alleine 276 Chauffeusen und Chauffeure. Die Zahlen der VZO sind beeindruckend. Schmid führte die Anwesenden durch die «wohl grösste Dusche von Grüningen» und erklärte die Abläufe.

Während ein Chauffeur oder eine Chauffeuse früher seinen Bus oft noch selbst gereinigt habe, sei das heute nicht mehr möglich. Mittlerweile würden die Busse nur noch in der Nacht gereinigt. Wegen Corona sei der Aufwand dafür massiv gestiegen, weil man alle Sitze, Stangen, Knöpfe und Flächen desinfizieren müsse. Zusätzlich sorge eine Luftreinigungsmaschine dafür, dass man am Morgen in einen quasi "keimfreien Bus" einsteigen könne.

VZO Werkstatt als interessanter Arbeitsplatz

Wenn ein Bus 14-jährig ist oder eine Million Kilometer auf dem Tacho hat, wird er nach den Vorgaben des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) ausrangiert. 20 neue Busse werden jetzt auch die VZO aus dem Mercedes-Benz Werk in Mannheim bekommen, welche dann in der Werkstatt in Grüningen mit den nötigen Komponenten wie Kasse, Leitsystem etc. versehen werden. «Ausser Rost- und Carrosserieschäden repariert unser Werkstatt-Team fast alles selber», erklärte Schmid, was die Arbeit spannend mache und auch ein interessanter Ausbildungsplatz für Lehrlinge sei. Was denn mit den ausrangierten Bussen geschehe, wollte ein Anwesender wissen. Diese gingen an einen Händler, der sie weiter ins Ausland verkaufe, informierte Schmid. «Wir haben schon Bilder aus Sizilien, Rumänien oder Ungarn von unseren Bussen bekommen». 

Auch die Frage nach E-Mobilität wurde gestellt, die Schmid natürlich erwartet hatte. «Seit 2018 werden alle unsere neuen Standardbusse als sogenannte Compact-Hybride beschafft. Dadurch sparen wir gegenüber den Fahrzeugen ohne diese Technologie 7-9% Treibstoff ein. Früher oder später setzen wir aber auch E-Busse, doch dazu müssen diese erst eine höhere Reichweite bringen.» E-Busse seien jetzt noch doppelt so teurer und machten zusätzliche Investitionen wie eine Trafostation nötig. Die VZO sei allerdings daran, die Depots für künftige E-Busse fit zu machen, im neuen Depot Wetzikon habe man schon einiges realisiert. 

Fragen gestellt wurden auch zu den Holzsitzen, mit denen die VZO alle ihre neuen Busse  ausstattet und die in der Werkstatt montiert werden. Auch das Ticketing und die Fahrgastzählung wurden von Schmid erklärt. «Unsere Türen sind mit Sensoren versehen. Diese Zählung ist wichtig für unsere Fahrplanentwicklung.» Rückläufig seien seit Ausbruch der Corona-Pandemie die Ticketverkäufe im Bus. Hier habe Corona die Digitalisierung weit nach vorne gebracht.

«Die durchschnittliche Reisezeit eines Fahrgastes im VZO beträgt 14 Minuten.»
Joe Schmid, Leiter Angebot und Markt VZO

Die Leitstelle kann alles mitverfolgen

Während sich die Chauffeure und Chauffeusen früher in unzählige Listen eintragen und Informationen zu den Routen zusammensuchen mussten, bekommen sie diese heute alle auf ihre Tablets. Ohne EDV, WLAN oder Strom würde heute kein Bus mehr fahren. Um dies zu verdeutlichen, führte Schmid die Anwesenden in die Leitstelle, wo ein Disponent jeden Bus überwacht.

«Wenn etwas im Fahrplan falsch läuft, müssen wir das hier beheben können», erklärte Disponent Muntwyler, der an diesem Abend Dienst hat. Jede Verspätung, jede Baustelle oder sonstigen Störungen werden ihm auf einem der grossen Bildschirme angezeigt. Und Muntwyler sieht auch, welcher Bus von welchem Chauffeur bzw. von welcher Chauffeuse gefahren wird und kann ihnen, falls nötig, Informationen auf ihre Bildschirme schicken.

Corona hat Auswirkungen auf die Fahrgastzahlen

Corona hat auch bei der VZO Spuren hinterlassen. So ist seit Ausbruch des Virus nicht nur ein massiv höherer Desinfektionsaufwand nötig, auch die Fahrgastzahlen seien im Jahr 2020 um rund ein Viertel gesunken, so Schmid. Während des Lockdowns mussten die VZO auf Anweisung des Bundes den Fahrplan reduzieren. Doch jetzt seien die Zahlen wieder auf 90 Prozent der Werte vor Corona gestiegen. Die VZO rechnet allerdings erst für 2024 mit einer Erholung und mit Fahrgastzahlen wie vor Corona.

  • Die wohl grösste Dusche von Grüningen ist die VZO-Buswaschanlage. Bild: Martina Gradmann
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  • Joe Schmid zeigt in der Grüninger Werkstatt was alles an den Bussen gemacht wird. Bild: Martina Gradmann
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  • Sensoren an der Tür und Kameras überwachen das Innere des Buses. Bild: Martina Gradmann
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Martina Gradmann