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Kulinarik
23.06.2021
09.07.2021 23:18 Uhr

Tiki-Brause: Wenn Kindheitserinnerungen wach werden

Die Tiki-Brause mit ihrem Aussehen in den 1950/1960er-Jahren Bild: TIKI AG Freienbach
Wer kennt sie noch, die Tiki-Brause? 1907 in einem Labor in Tschechien entstanden, ist Tiki mit einem kleinen Abstecher nach Italien seit 1947 in der Schweiz.

Neulich beim Surfen im Internet, wurde ich auf die Geschichte von TIKI aufmerksam. Und die Kindheitserinnerungen sofort wach. Dass das Unternehmen seit langer Zeit in der Schweiz ist, wusste ich nicht.

Brausiger Spass im Mund

Ich erinnere mich noch gut, wie ich als Kind zum Kiosk in Grüningen lief, um mir eine dieser TIKI-Brausen zu kaufen. Neben "Föiferbölle" und anderen Süssigkeiten gehörten diese bunten TIKI-Tabletten zu meinen Favoriten, allen voran die Cola-Brause (zu Hause gab's immer nur langweiligen ungesüssten Tee oder Valser-Wasser, wofür ich meinen Eltern heute natürlich dankbar bin). Ich löste die Brause aber selten in einem Glas Wasser auf, sondern steckte mir lieber schon auf dem Rückweg ein kleines Stück von der Brause in den Mund und liess sie direkt auf der Zunge zergehen. Das prickelnd-schäumende Gefühl im Mund war einfach lustig. Zusammen mit Freundinnen tauschten wir auch mal ein Eckchen oder machten einen Geschmacks-Mix mit einem Stückchen Zitrone- und Cola-Brause.

Eine Entdeckung in Tschechien

Die Geschichte von TIKI begann 1907 in einem Labor in Tschechien. Dort kombinierte Hynek Boleslav Allan die Grundstoffe zu einem süssen Brausepulver und legte damit den Grundstein für die TIKI-Geschichte. Gemäss Firmengeschichte erreichte TIKI 1940 auch die Menschen in den damaligen französischen Kolonien. Vierzig Jahre nach dem ersten Brausepulver, im Jahr 1947, floh der Sohn von TIKI-Erfinder Allan mit dem TIKI-Rezept in die Schweiz und begann, in Lausanne TIKI-Tabletten zu produzieren.

Blonder Junge als Markengesicht

In den 1950er-Jahren wurde die TIKI-Brause immer beliebter und wurde beispielsweise auf Schulreisen getrunken (heute undenkbar). In den 1960er-Jahren änderte TIKI ihr Markengesicht. Neu war nicht mehr eine lachende Sonne, sondern der "TIKI-Junge" mit blonden Haaren und blauen Augen auf der Verpackung zu sehen. Wegen der grossen Nachfrage gab's TIKI in den 1970er-Jahren gar in 2-Liter-Brausebeuteln. Der Limopulver-Exportschlager war damals Zitrone und Himbeer.

  • Die TIKI-Brause in den 1970er-Jahren Bild: TIKI AG Freienbach
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  • Die TIKI-Brause im Manga-Style, 1998 Bild: TIKI AG Freienbach
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  • Die TIKI-Brause heute Bild: TIKI AG Freienbach
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Abstecher nach Italien

Ein grosser italienischer Süsswarenhersteller war begeistert von den Brausen und kaufte in den 1980er-Jahren das Unternehmen. Die Produktion und Marke wurden verändert. Leider verloren die TIKI-Brausen an Bedeutung und TIKI stand kurz vor dem Aus. Als das Schweizer Familienunternehmen Domaco von der Schliessung der Produktion in Lausanne hörte, übernahm es kurzerhand die Rezepturen samt Markennamen und startete mit der TIKI-Produktion in seiner Fabrik in Lengnau. Bis heute ist TIKI in Domaco-Händen. Ihren Firmensitz hat die TIKI AG in Freienbach SZ.

Weitere Produkte und neuer TIKI-Junge

Ab 1992 kamen die Fizzy-Brausebonbons dazu und ein neuer "Tiki-Junge" zierte ab da die Verpackungen. Die Ice-Limo wurde geboren und es entstanden die "TIKI-Tierli" mit Comics. Sogar ein TIKI Fan-Club entstand zu dieser Zeit. Als 1998 Manga angesagt war, wurde der TIKI-Junge durch einen TIKI Mangakopf ersetzt. Weitere Produkte wie die TIKI-Doppelwürfel, die Mini-Shots, Runddosen und "TIKI Tongues" kamen hinzu. 2015 wurden die Rezepturen verändert. Die Geschmacksrichtungen blieben, aber TIKI konnte ab da nicht mehr als klassisches Brausepulver verwendet werden, sondern war nur noch als fertige TIKI-Limonaden erhältlich.

Zuckerbombe, klar...

Damals als Kind habe ich mich natürlich nicht um den Zuckergehalt und die Nährwerte geschert. Egal! Hauptsache süss und spassig. Schade zwar, dass es die TIKI-Produkte auch heute nur mit Kristallzucker gibt. Aber bei aller Vernunft: Wer eine TIKI-Brause kauft, erwartet kein gesundes, vor Vitaminen strotzendes Lebensmittel. Wer es wie wir damals nur ab und zu geniesst, wird wohl keinen gesundheitlichen Schaden davon tragen. Vielmehr werden Kindheitserinnerungen wach, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Vielleicht schaue ich mich beim nächsten Kioskbesuch doch mal wieder nach dieser Brause um. Nur um der alten Zeiten willen...

 

Barbara Tudor