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Grüningen
25.11.2022
25.11.2022 06:24 Uhr

Fehlender Respekt verursacht Kosten

Leider kein Einzelfall: Erbrochenes und andere Verwüstungen in der Toilette im Schlosshof. Bild: zvg
Mitte Oktober wurde der Schlosshof an einem Abend verwüstet. Türen wurden verkrit­zelt und Dekorationsmaterial zerstört. Die Sigristen der re­formierten Kirche müssen je­weils zähneknirschend solchen sinnlosen Aktionen hinterher­ räumen.

«Wir haben uns masslos geärgert», erklären die Mitglieder des Gemeinderats Grüningen überein- stimmend. Nicht zum ersten Mal erhielt die Gemeindeschreiberin Yvonne Cassol am Montagmorgen die Meldung der beiden Sigristen der reformierten Kirche, Helene Schwarz und Simon Baumann, was im Schlosshof alles vorgefallen ist übers Wochenende. Sinnlose Zerstörung, Urinieren an den Wänden, verkritzelte Holztüren, kaputte Dekorationen und herausgerissene Seifenspender in den Toiletten – alles Akte von einzelnen Personen, die offenbar jeglichen Respekt vor dem Eigentum anderer verloren haben.

Das geht zu weit

Für das Sigristenteam geht dieses Gehabe über die Toleranzgrenze hinaus. «Wir unterstützen es, dass der lauschige Schlosshof auch am Abend genutzt wird, um sich zu treffen und sich auszutauschen», sagen sie übereinstimmend. Über leere Flaschen neben dem Abfallkübel schaut man noch grosszügig hinweg und entsorgt auch zurückgelassene Pizzaschachteln von den Tischen. «Aber jeden Sonntagmorgen Glasscherben wegwischen oder die Fäkalien von Menschen entfernen zu müssen, geht eindeutig über das erträgliche Mass hinaus.»

Zusatzdienst und Gespräche

Mittlerweile ist Helene Schwarz so weit, dass sie sonntags früher zur Kirche geht, um die nächtlichen Spuren zu beseitigen, bevor die Kirchenbesuchenden  eintreffen. «Ich räume vor dem Gottesdienst auf, damit die Gäste den Kirchenbesuch ungestört geniessen können.» Ein Dienst, den sie zusätzlich leistet.

Simon Baumann war in den Sommermonaten aktiv und hat Gespräche mit Jugendlichen geführt, die über die Stränge geschlagen haben: «Wir waren auch mal jung …», sagt er verständnisvoll. Einige seien regelmässig dort und er versuche, zu deeskalieren. Trotzdem gelinge das Gespräch nicht immer.

Mass ist voll

Für die Sigristen wie für die Gemeindeverantwortlichen ist das Mass voll. Im Oktober wurden die Türen mit schwarzer Farbe versudelt, es wurde hemmungslos an die Mauern uriniert und selbst die alte Feuerspritze oder die Girlande des ehemaligen Hofportals der Kirche wurden bemalt und demoliert. Alles Akte, die jeglichen Respekt vermissen lassen und am Ende nun zu einer Strafanzeige bei der Polizei führten, welche die Ermittlungen aufgenommen hat.

Nicht nur Jugendliche

Oft wird den Gemeindeverantwortlichen vorgeworfen, man verurteile immer die Jugendlichen für solche Vorfälle. «Es ist uns durchaus bewusst, dass es nicht nur Jugendliche sind, die sich im öffentlichen Raum auffällig verhalten», sagt Gemeinderat Sascha-Max Steinegger, verantwortlich im Ressort Gesellschaft. «Es ist leider so, dass sich auch junge Erwachsene über die Grenzen der Toleranz hinaus im öffentlichen Raum benehmen. Dies hat mit der Jugendarbeit nichts mehr zu tun. Dafür sind wir alle als Gesellschaft zuständig.» Das Gemeinderatsgremium würde sich wünschen, dass auch die Grüninger Bevölkerung vermehrt die Augen offenhält und den Dialog sucht.

««Leidtragende sind am Ende jene, die sich im öffentlichen Raum korrekt und rücksichtsvoll verhalten.»»
Martin Jenny, Gemeinderat

Respektieren und geniessen

Sowohl die Gemeinde, die Schule als auch die Kirche geben den Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen den nötigen Freiraum, um sich zu treffen und auszutauschen. «Niemand hat etwas dagegen, wenn man sich auf der Schulanlage, im Schlosshof oder im Herrenbaumgarten trifft. Allerdings gelten im öffentlichen Raum nun mal Regeln, die man befolgen muss, um allen Bedürfnissen einer Gemeinschaft gerecht zu werden», erklärt Gemeinderat Martin Jenny, der für die Sicherheit zuständig ist. «Schön wäre, wenn alle befolgen könnten: respektieren und geniessen.» Leidtragende solcher Aktionen von einigen wenigen seien am Ende jene, die sich im öffentlichen Raum korrekt und rücksichtsvoll verhalten. «Man ist schnell versucht, alle in einen Topf zu werfen.»

Runder Tisch und Grundwerte

Runder Tisch Prävention / Jugend

Mitte September trafen sich Vertreter:innen verschiedener Behörden, Institutionen und Grüninger Vereine zum runden Tisch über das Thema Jugend. Gabrielle Zurbuchen von der Stiftung Mojuga hielt eingangs ein Fachreferat zu den Bedürfnissen der Jugendlichen. Dabei erwähnte sie eine Umfrage, welche Mojuga bei den Jugendlichen durchgeführt hatte. Gewünscht würden beispielsweise ein Hallenbad, ein Hüttli im Wald, ein Grossverteiler, Zürichsee-Anschluss, ein Bauwagen/Raum oder ein McDonald’s. Zurbuchen propagierte eine Willkommenskultur für Jugendliche, die es ihnen ermögliche, öffentliche Räume frei zu nutzen und in der Verantwortung zu wachsen.

Grundwerte in der Familie lernen

Anschliessend wurde die Situation in Grüningen in Gruppen vertieft durchleuchtet und die Rollen jedes Einzelnen diskutiert. Die Gespräche zeigten auf, dass die Gemeinde Grüningen viele Angebote für die Grüninger Jugend bereithält, auch durch die Vereine oder das Jugendhaus-Team. In Sachen Kommunikation wurden die Gemeindeverantwortlichen aufgefordert, ihre Haltung gegenüber den Jugendlichen transparent aufzuzeigen und in einen Dialog zu treten, aber auch Grenzen klar zu setzen. Sämtliche Teilnehmenden sind sich einig, dass die Erziehung und das Vermitteln von Grundwerten Sache der Familie sind und auch im Familienverbund das Verhalten reflektiert werden sollte. Es sei keine Aufgabe der Gemeinde, familiäre Defizite zu lösen.

Susanne Gutknecht, Gemeinde Grüningen