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Bubikon
22.11.2022

«Pfarrhaus ist keine Bruchbude»

Die IG Pfarrhaus will mit der Machbarkeitsstudie aufzeigen, dass es auch eine Alternative zum Abriss des Pfarrhauses gäbe. Bild: IG Pfarrhaus
Eine Gruppe von Bubiker:innen hat sich zur Interessengemeinschaft Pfarrhaus zusammengetan und will den Abbruch des alten Pfarrhauses verhindern. Sie hat vergangene Woche ein anonymes Flugblatt verschickt, das nicht anonym sein sollte. Die IG nimmt Stellung.

Vergangene Woche hat die IG Pfarrhaus ein Flugblatt in der Gemeinde Bubikon verteilt und wehrt sich darin gegen den geplanten Abriss des Pfarrhauses (Zürioberland24 berichtete).

Das Flugblatt wurde anonym verschickt, auf dem Flyer war lediglich eine Homepage aufgeführt, aber keine Namen. Felix Spörri von der IG Pfarrhaus verteidigt das Vorgehen: «Die Zustellung des Flyers in die Briefkästen erfolgte einen Tag früher als vorgesehen und die Webseite war infolge technischer Probleme etwas später fertig geworden, sodass anfangs nicht alles angezeigt wurde.»

Mängel an der Studie

Die Reaktion der Kirchenpflege auf das Flugblatt kam prompt. Sie betitelte das vom Bubiker Architektur-Studenten Severin Spörri erarbeitete Alternativprojekt, welches den Erhalt und die Renovation des Pfarrhauses propagiert, als fehlerhaft. Die Studie würde erhebliche Mängel aufweisen, schrieb die Kirchenpflege in ihrer Stellungnahme. Unter anderem würden die Grenzabstände nicht stimmen und das renovierte Pfarrhaus sei nicht rollstuhlgängig. Auch die Anzahl vorgeschriebener Parkplätze würde nicht stimmen.

«Behauptungen sind schlicht falsch»

Das sieht die IG Pfarrhaus anders. Auf Anfrage von Zürioberland24 schreibt sie in ihrer Stellungnahme: «Die Behauptung, die Machbarkeitsstudie mit Erhalt des Pfarrhauses weise grobe Mängel auf, ist schlicht falsch.» Die gesetzlich vorgeschriebenen Parkplätze seien vorhanden – zwei pro Hausteil, einer gedeckt, einer offen – und die Grenzabstände nach aussen seien eingehalten. Innerhalb der Parzelle müssten sie, wie auch bei der von der Kirchenpflege bevorzugten Variante, mit vertraglichen Näher- und Grenzbaurechten geregelt werden.

Die bestehende Pfarrhausstube sowie der darüberliegende Wohn- und Schlafstock seien schon oder liessen sich mit kleinen Eingriffen behindertengerecht nutzen. «Hätte die Kirchenpflege das Projekt genauer angeschaut, wüsste sie das.» Die Baukosten seien zudem detailliert berechnet worden.

«Die Meinung über den Abriss des Pfarrhauses war leider schon gemacht.»
IG Pfarrhaus

Studie war nicht eher fertig

Auf die Frage, warum das Projekt nicht rechtzeitig und offiziell für die Kirchgemeinde-Versammlung eingereicht worden sei, sagt Felix Spörri gegenüber Zürioberand24: «Es ging nie darum, einen Antrag einzureichen. Vielmehr sollte mit der Studie aufgezeigt werden, dass es auch eine gute Alternative zum Abriss- und Überbauungsprojekt der Kirchenpflege gibt. Die Studie wurde im Rahmen einer Semesterarbeit an der ETH erst im Sommer 2022 fertig. Die Kirchenpflege wollte aber nicht, dass das Alternativprojekt in der Versammlung vom 4. September vorgestellt werden konnte. Die Meinung über den Abriss des Pfarrhauses war leider schon gemacht.» Die Opposition an diesem Sonntag sei zu schwach gewesen.

«Auch die Variante von der Fit Planungs AG verfügt über keine rechtskräftige Baubewilligung.»
IG Pfarrhaus

Beide Projekte bedürften detaillierter Planung

Beide Varianten, das von der Kirchenpflege favorisierte und das Alternativkonzept, seien Machbarkeitsstudien und bedürfen für eine allfällige Ausführung noch einer detaillierteren Planung. Auch die von der Kirchenpflege favorisierte Variante der Fit Planungs AG verfüge über keine rechtskräftige Baubewilligung. «Diese zu erhalten könnte  allenfalls länger dauern», schreibt die IG Pfarrhaus weiter. «Das bestehende Pfarrhaus hingegen ist baurechtlich in seinem Bestand garantiert und eine Sanierung braucht auch kein langwieriges Baubewilligungsverfahren», ist die IG überzeugt. Zudem könnte sie in Etappen erfolgen, je nach den finanziellen Möglichkeiten der Kirchgemeinde.

«Keine Bruchbude»

Die IG ist der Meinung, dass das aktuell bewohnte und bewirtschaftete Pfarrhaus keine «Bruchbude» sei und mit einer zeitgemässen Renovation und dem Ersatz von Bäder und Küche für eine Pfarrfamilie ein gutes Wohnen ermöglichen würde. Das bestehende Pfarrhaus biete zudem durch die Besonnung, die freie Sicht und mit 740m2 Land für künftige Generationen ein deutlich besseres Wertsteigerungspotenzial als der geplante Neubau ohne Aussicht an rückseitiger Lage.

Auf die Frage, ob er emotional mit dem Pfarrhaus verbunden sei, sagte Felix Spörri, der im direkten Umfeld des Pfarrhauses im Quartier wohnt: «Natürlich bin ich mit dem Haus verbunden. Ich habe gute Jugenderinnerungen an das Haus und die damalige Pfarrfamilie. Doch das hat mit dem vorgeschlagenen Alternativprojekt nichts zu tun. Wir verstehen einfach nicht, warum ein stattliches Pfarrhaus einer spekulativen Überbauung mit 7 Häusern und einem wenig überzeugenden Pfarrhausneubau weichen soll.»

«Normalerweise wird zuerst über einen Planungskredit abgestimmt und – nachdem ein fertig ausgearbeitetes Projekt vorliegt – über einen Baukredit. Wer kauft denn schon gerne die Katze im Sack.»
IG Pfarrhaus

Unüblicher Ablauf

Das Vorgehen der Kirchenpflege für einen Neubau des Pfarrhauses sei darüber hinaus zumindest unüblich, findet die IG Pfarrhaus. «Normalerweise wird zuerst über einen Planungskredit abgestimmt und – nachdem ein fertig ausgearbeitetes Projekt vorliegt – über einen Baukredit. Wer kauft schon gerne die Katze im Sack.»

Am 27. November 2022 wird über den Planungs- und Baukredit des neuen Pfarrhauses abgestimmt.

Barbara Tudor