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Bubikon
16.11.2022
16.11.2022 13:05 Uhr

Pfarrhaus-Neubau: Anonymes Flugblatt stösst auf Unverständnis

Zankapfel Pfarrhaus: Eine Interessengruppe will das Pfarrhaus erhalten. (Archivbild) Bild: Ref. Kirche Bubikon
Am 27. November kommt das Projekt «Neubau Pfarrhaus» in Bubikon zur Abstimmung. Die Absender eines anonymen Flugblatts fordern die Ablehnung des Planungs- und Baukredits. Das stösst bei der Kirchenpflege auf Unverständnis.

An der Kirchgemeindeversammlung vom 6. Dezember 2020 wurde die Kirchenpflege beauftragt, einen Teilverkauf der grossen Pfarrhausparzelle vorzunehmen und auf der Restparzelle ein neues Pfarrhaus zu erstellen. Abklärungen hatten ergeben, dass das alte Pfarrhaus in einem solch desolaten Zustand sei, dass mindestens 1 Million Franken für eine Renovation ausgegeben werden müsste. Die Kirchgemeindeversammlung stimmte damals im Grundsatz einem Neubau und einem Verkauf der Restparzelle zu.

Der Teilverkauf der Pfarrhausparzelle wurde 2021 ausgeschrieben und die Anbieter konnten eine Projektstudie einreichen, welche vom Bauamt auf Durchführbarkeit überprüft werden musste. Im Mai 2022 hatte die reformierte Kirchenpflege dann entschieden, das Angebot der Firma FIT Planungs AG für den Teilverkauf der Pfarrhaus-Parzelle am Berglihöhweg zu berücksichtigen. An der Kirchgemeinde-Versammlung vom 4. September 2022 entschied man nun über den Planungs- und Baukredit (Zürioberland24 berichtete).

Alternativprojekt zum Erhalt des Pfarrhauses

An der Kirchgemeindeversammlung vom 4. September 2022 wollte der Cevi-Leiter und ETH-Architekturstudent Severin Spörri der Versammlung ein Alternativprojekt präsentieren, welches den Erhalt des bestehenden Pfarrhauses vorsieht. Da sich die Kirchgemeinde aber zuvor bereits für den Abriss und Neubau des Pfarrhauses entschieden hatte und man an der Versammlung auch nur befugt war, über die zuvor vorgelegte Variante abzustimmen, wurde nicht weiter darauf eingegangen.

Eine Mehrheit sprach sich an der Versammlung für die Vorlage und somit für den Abriss des Pfarrhauses aus. Am 27. November 2022 wird über den Planungs- und Baukredit des neuen Pfarrhauses abgestimmt.

Anonymes Flugblatt fordert Erhalt des Pfarrhauses

Nun wurde in Bubikon vor ein paar Tagen ein anonymes Flugblatt verteilt, welches den Erhalt des Pfarrhauses und die Ablehnung des Baukredits fordert. Das Pfarrhaus wird derzeit als Wohnhaus und für den begehbaren Second-Hand-Kleiderschrank genutzt.

Die Gegner der Vorlage vertreten die Meinung, dass der vorgesehene Standort innerhalb der Parzelle, im Nordosten in der zweiten Reihe und ohne Aussicht, eines Pfarrhauses nicht würdig sei. Auch ergebe das Ensemble kein ausgewogenes Erscheinungsbild und gleiche einer rein renditeorientierten Überbauung. Auch eine 16-plätzige Tiefgarage sei keine innovative und nachhaltige Baukultur.

Sanieren statt abreissen

Stattdessen will die Gegnerschaft, dass das Pfarrhaus saniert statt abgerissen wird. Auf der Website, die auf dem Flyer abgedruckt wurde, suchte man anfangs vergeblich nach Kontaktpersonen. Mittlerweile wurde die Website ergänzt, und die Gegner geben sich als «Interessengemeinschaft Pfarrhaus» auch namentlich zu erkennen: Rebekka Pfister, Jürg Hellrigl, Claudia Rehrauer, Hubert Rehrauer, Felix Spörri, Severin Spörri.

Das Alternativprojekt sei quartiergerecht und das bestehende Pfarrhaus ressourcenschonend weitergebaut. Mit dem Projekt würde sich auch keine Abhängigkeit von einem Investor ergeben, sind die Gegner überzeugt. Auch könne das Pfarrhaus mit dieser Lösung schneller bezogen werden. Das Projekt soll zudem 100'000 Franken mehr Gewinn einbringen, rechnet die Gegnerschaft auf dem Flyer vor – bei deutlich mehr Landanteil mit dem renovierten Pfarrhaus.

«Studie weist erhebliche Mängel auf»

Ganz anders sieht das die Kirchenpflege: Die Studie sei nie eingereicht worden und weise darüber hinaus auch erhebliche Mängel auf: So würden etwa die Grenzabstände teilweise nicht stimmen, die Anzahl der laut Bau- und Zonenordnung (BZO) vorgeschriebenen Parkplätze stimme ebenfalls nicht und das untere Stockwerk des alten Pfarrhauses sei nicht rollstuhlgängig, schreibt die Kirchenpflege in ihrer Medienmitteilung.

Zu tief veranschlagte Baukosten

Zudem seien die Umbaukosten viel zu tief veranschlagt, da nicht mit vorhandenen Schadstoffen, Schall- und Brandschutz nach heutigen Normen und Energieeffizienz gerechnet worden sei. Auch die Einnahmen für den Teilverkauf der Parzelle seien zu hoch veranschlagt, da weniger Wohneinheiten erstellt würden.

«Beim Einhalten der Grenzen nach der BZO wird noch mehr Fläche dem Pfarrhaus zugewiesen und somit weniger verkauft. Unter dem Strich verbliebe der Kirchgemeinde deutlich weniger Geld für die Finanzierung des neuen Kirchgemeindehauses», so die Mitteilung. «Die Kirchenpflege ist überzeugt, ein kostengünstiges, optimales Projekt vorzulegen.» Es sei darüber hinaus bedauerlich, dass die Gegner anonym aufgetreten seien.

Auftrag für den Teilverkauf bleibt bestehen

Selbst im Falle einer Ablehnung des Kredites für das Pfarrhaus bleibe der Auftrag der Kirchgemeindeversammlung für den Teilverkauf der Pfarrhausparzelle bestehen. «Dieser Auftrag muss auch dann vollzogen werden», so die Kirchenpflege.

> beleuchtender Bericht Planungs- und Baukredit für den Pfarrhaus-Neubau
www.erhalt-pfarrhaus.ch

Barbara Tudor