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Kulinarik
05.10.2022

Wie Birnel gegen Armut in der Schweiz hilft

Wer den Winterhilfe-BIrnel kauft, unterstützt Projekte für Armutsbetroffene in der Schweiz. Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung
Die Winterhilfe bietet den etwas in Vergessenheit geratenen Birnel, den Schweizer Birnendicksaft, zum Kauf an. Damit werden Projekte für Armutsbetroffene in der Schweiz finanziert.

Für die einen völlig unbekannt, ist er für andere ein beliebter Brotaufstrich oder dient als spezielle Note in der Tomatensauce: Birnel. Auch zum Süssen von Tee wird Birnel gerne genutzt. In den vergangenen Jahren geriet Birnel aber ein wenig in Vergessenheit. Dafür erobern die weitgereisten "trendigen" Ersatzprodukte wie Kokosblütenzucker oder Agavendicksaft die vegane Szene.

Die Winterhilfe will dem Birnel, der unbeschränkt haltbar ist, zu neuer Aufmerksamkeit verhelfen.

«Honig für die Armen»

Birnel wird aus dem Saft von Mostbirnen gewonnen. Aus dem Obst wird Saft und aus dem Saft Birnel. Das Verzeichnis «Kulinarisches Erbe der Schweiz» beschreibt Birnel – auch Birnendicksaft oder Birähung genannt – als «opake, dickflüssige Masse, farblich zwischen braun und schwarzbraun».

Das Produkt soll erstmals 1688 in der Einsiedler "Krämerordung" erwähnt und Mitte des 19. Jahrhunderts vom aufkommenden Rübenzucker verdrängt worden sein.

Kampf gegen Hunger und Alkoholismus

Winterhilfe-BIRNEL wurde früher schweizweit im Kampf gegen Hunger und Alkoholismus eingesetzt. Brände aus Obst und Kartoffeln gehörten zum heimischen Erbe. Doch mit der Industrialisierung hielt der «Elendsalkoholismus» auch in der Schweiz Einzug. Dieses Phänomen wird als Folge des Pauperismus, also der Massenarmut, eingeordnet.

Die Schweiz ging im Kampf gegen den Elendsalkoholismus nicht so weit wie die USA, welche 1920 die Herstellung, den Transport und den Verkauf von Alkohol verbot. Aber das Schweizer Alkoholgesetz von 1932 legte fest, dass die brennlose Obstverwertung, also deren Endprodukt keinen Alkohol enthielt, staatlich unterstützt würde. 1952 übergab die Eidgenössische Alkoholverwaltung der Winterhilfe den Vertrieb des Birnels.

Herstellung von Birnel. Bild: Winterhilfe

Ein Löffel Birnel zum Znacht

Das 1936 gegründete Schweizer Hilfswerk Winterhilfe, hatte für den Birnel in den 1960er-Jahren gute Verwendung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter belieferten eigenhändig arme Familien mit Esswaren oder unterhielten Lebensmittel-Agabestellen. Kartoffeln, Dörrgemüse, Bouillon und eben Birnel fanden so den Weg in die Mägen von Menschen, denen Hunger nicht fremd war. «Wenn lange vor dem Zahltag des Vaters die Haushaltskasse leer war», erzählt eine über 70-jährige Dame, «war unser Znacht ein Löffel Birnel.» Heute verteilt die Winterhilfe keinen Birnel mehr an Armutsbetroffene, sondern gibt Lebensmittelgutscheine ab.

Exklusives Vertriebsrecht

So fand der Birnel nicht nur seinen Weg in die Küchenkästen der Armen. Auch die übrige Bevölkerung wusste ihn zu schätzen, so die Winterhilfe. Bis 1998 hielt die Winterhilfe exklusiv das Vertriebsrecht dafür und ist auch heute noch die grösste Birnel-Anbieterin in der Schweiz.

Der Reinerlös floss und fliesst in die diversen Projekte der Non-Profit-Organisation für Notleidende in der Schweiz.

Aus einheimischem Obst

Schweizer Birnel produziert nur die Mosterei E. Brunner in Steinmaur ZH. Und dies aus einheimischem Obst, das auf Hochstammbäumen wächst und Nistplatz sowie Lebensraum für bedrohte Singvögel und Insekten bietet.

Birnel war früher der «Honig der Armen». Bild: Winterhilfe

«Den Birnel nicht sterben lassen»

«Wir wollen den Birnel nicht sterben lassen», sagt die Geschäftsführerin der Winterhilfe, Monika Stampfli, «denn er ist ein geschichtsträchtiges Produkt mit Tradition.» Darum hat die Winterhilfe 2021 beschlossen, dem Honig der Armen nochmals zu einem grossen Auftritt zu verhelfen. Der Birnel erhielt ein neues Gewand und einen neuen Slogan: «Winterhilfe-BIRNEL hilft».

Winterhilfe BIRNEL Spendenbox

Durch neue Absatzkanäle, inklusive Webshop, soll der Winterhilfe-BIRNEL einfacher erhältlich und wieder vermehrt in Schweizer Küchen anzutreffen sein.

MIt der neuen «Winterhilfe-BIRNEL-Spendenbox» ruft das Hilfswerk zu Solidarität mit den Ärmsten im Land auf.

Das Winterhilfe-BIRNEL Sortiment reicht vom 60-Gramm-Glas bis zum 25-kg-Kessel, in bio und konventioneller Qualität.

Die Winterhilfe hat die Birnel Spendenbox ins Leben gerufen. Bild: Winterhilfe

Über die Winterhilfe

Die Winterhilfe leistet ganzjährige Inlandhilfe für Armutsbetroffene. Unter dem Dach der Winterhilfe Schweiz sind die 27 in allen Kantonen vertretenen Geschäftsstellen eigenständig organisiert. Für die gesamte Winterhilfe sind rund 400 Personen tätig, viele davon ehrenamtlich.

winterhilfe.ch

> Informationen und Bezug von Birnel

Zürioberland24