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Grüningen
25.08.2022

Haben Grüninger Jugendliche genügend Freiräume?

Jugendliche treffen sich gerne in der freien Natur von Grüningen. Bild: zvg
Junge Menschen brauchen Räume und Orte, wo sie sich ungestört treffen können. Stehen diese nicht zur Verfügung, suchen sie sich solche selbst, was nicht bei allen gut ankommt. Vandalismus und Littering könne man nicht tolerieren, für die Anliegen der Jugendlichen habe man aber Verständnis, sagen Schule und Gemeinde.

Seit einiger Zeit macht in Grüningen ein Sicherheitsdienst die Runde, um Vandalismus und Littering zu vermeiden. Man sei zu dieser Massnahme gezwungen, weil es immer wieder zu mutwilligen Zerstörungen gekommen sei, erklärt die Grüninger Schulpräsidentin Karin Jeber. Wer dafür  verantwortlich war, liess sich nicht eruieren. Tolerieren könne man ein solches Verhalten – bei allem Verständnis für die anspruchsvolle Zeit der Pubertät – aber nicht.

Corona hat Kontakte eingeschränkt

Klar ist: Jugendliche brauchen Freiräume, auch innerhalb ihrer Wohngemeinde. Diese waren während der Corona-Pandemie durch Homeschooling, Ausgangsbeschränkungen und Social Distancing lange Zeit stark eingeschränkt. Diese Freiräume wollen sie sich verständlicherweise zurückerobern. Nur sind diese oft nicht dort, wo die ältere Generation sie gerne hätte. So hört man auch in Grüningen immer wieder Klagen über laute Jugendliche bei Schulen, an Bushaltestellen oder in der freien Natur.

«Es kann doch nicht sein, dass wir uns nirgends in Grüningen treffen können und man uns auch im Jugi nicht haben will.»
Mischa* (16 Jahre)

Jugendliche sollen Vorschläge bringen

Dass Jugendliche ungestört unter sich sein wollen, weiss auch Gemeinderätin Susanne Gutknecht, die in der letzten Legislatur für die Jugendarbeit zuständig war. «Solange sie ihren Abfall entsorgen und sich an gewisse Regeln halten, ist das kein Problem.» Wenn aber, wie im Schlosshof auch schon geschehen, Seifenhalter in den WC-Anlagen abgerissen und Bierdosen liegen gelassen werden und man auch noch Erbrochenes aufwischen müsse, könne man das nicht tolerieren. Solche Aktionen einzelner Jugendlicher helfen nicht, ein gegenseitiges Verständnis aufzubauen. Sie rät den Jungen, das Gespräch mit der Gemeinde, der Schule und mit den Mojuga-Verantwortlichen zu suchen. «Ein Dialog über die Interessen und ein Austausch sind ein erster Schritt, um Änderungen zu lancieren.» Einen Vorstoss von Seiten der Jugendlichen habe es bereits gegeben.

* Name geändert

«Ein Dialog über die Interessen und ein Austausch sind ein erster Schritt, um Änderungen zu lancieren.»
Susanne Gutknecht, Gemeinderätin von Grüningen

Jugendliche brauchen Orte für sich

«Die Schulanlage sollte auch für Jugendliche zur Verfügung stehen», sagt die Grüninger Schulleiterin Marianne Brunner, und das länger als bis 21 Uhr abends. Es brauche Plätze, wo Jugendliche geschützt und nicht exponiert unter sich sein können und nicht unter Aufsicht wie im Jugi. Solche Orte zu schaffen, sei allerdings nicht die Aufgabe der Schule, sondern der ganzen Dorfgemeinschaft. «Es kann doch nicht sein, dass wir uns nirgends in Grüningen treffen können und man uns auch im Jugi nicht haben will», sagt die 16-jährige Mischa*. Während man sich im Sommer draussen treffen könne, fehle im Winter ein Raum, wo man ungestört unter sich sein kann, monierten Grüninger Jugendliche schon vor Jahren.

Freizeitangebot ungenügend

Eine Umfrage der Mojuga (mobile Jugendarbeit), die 2019 unter Jugendlichen gemacht wurde, hat ebenfalls ergeben, dass die meisten die Freizeitmöglichkeiten in Grüningen als ungenügend betrachten. Auch wenn fast die Hälfte der Befragten Mitglied in einem Verein sind, möchten sie sich auch unabhängig davon mit Freunden treffen. Als Treffpunkte werden das Schulgelände, das Jugi, die Badi, der Volg, der Wald oder der Tannsberg genannt. Was sie neben Food- und Shopping-Angeboten besonders vermissen, ist ein Ort, wo man willkommen ist. Man müsse prüfen, ob für Jugendliche «Entlastungsorte» im öffentlichen Raum geschaffen werden könnten, ist auch die Empfehlung der Mojuga.

Wie ist deine Meinung zum Thema?

Hast du konkrete Ideen oder Vorschläge, wo man bewusst Freiräume für die GrüningerJugendlichen schaffen könnte?
Schreib uns: grueningerpost@zuerioberland24.ch

Martina Gradmann