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Kanton
04.07.2022

Zürcher Lehrkräfte müssen weiterhin Noten verteilen

An der Volksschule sollen ab der 2. Klasse weiterhin Noten in den Zeugnissen stehen. Der Zürcher Kantonsrat hat am Montag eine Vorlage mit dieser Forderung behandelt. (Symbolbild) Bild: KEYSTONE/LAURENT GILLIERON
In den Semesterzeugnissen in der Volksschule müssen auch künftig ab der 2. Klasse Noten stehen. Dies hat der Kantonsrat entschieden.

Der Kantonsrat hat am Montag die dafür notwendige Änderung des Volksschulgesetzes behandelt. Von dem Obligatorium kann in der 1. Klasse der Primarschule und bei sonderpädagogischen Massnahmen abgewichen werden.

Unterstützt wurde die Vorlage von den bürgerlichen Parteien und den Mitteparteien. Diese wollten verhindern, dass die Schulnoten durch alternative Bewertungsmethoden wie Krönchen, Raketen oder Feedbackgespräche ersetzt werden.

Bisher ist der Bildungsrat zuständig

Mit dem Noten-Obligatorium beschneidet der Kantonsrat die Kompetenzen des Bildungsrates, wie Gegner der Gesetzesänderung aus dem links-grünen Lager sagten. Der Bildungsrat ist unter anderem für Inhalt und Form der Leistungsbeurteilung an der Schule zuständig. «Das Ziel ist die optimale Förderung der Schülerinnen und Schüler, mit einem Feedbackgespräch beispielsweise kann dieses Ziel besser erreicht werden», sagte Monika Wicki (SP, Zürich).

Notenverzicht steht nicht zur Debatte

Ein Verzicht auf Noten in den Schulzeugnissen steht derzeit gar nicht zur Debatte, wie der Bildungsrat in einer Stellungnahme versicherte. Klar ist aber auch, dass das Beurteilungssystem in absehbarer Zeit überarbeitet und an die Anforderungen des Lehrplans 21 angepasst werden muss. Und dabei könnte die Abschaffung der Schulnoten durchaus ein Thema werden, befürchteten jedenfalls Befürworter der Gesetzesänderung.

«Wenn wir die Noten nicht ins Gesetz schreiben, wird sie der Bildungsrat früher oder später, dem pädagogischen Zeitgeist folgend, still und heimlich abschaffen», sagte Marc Bourgeois (FDP, Zürich). Befürworterinnen und Befürworter des Obligatoriums argumentierten auch mit der Wirtschaft. Für die Unternehmen seien die Noten wichtig als objektiver Bewertungsmassstab.

«Niemand will keine Noten»

Der Regierungsrat stellte sich gegen das Noten-Obligatorium. «Niemand will keine Noten», sagte Bildungsdirektorin Silvia Steiner (Mitte). Gerade an der Schnittstelle von der Volksschule zur Wirtschaft seien die Zeugnisnoten wichtig. Aber die Zuständigkeit für das Thema liege klar beim Bildungsrat. «Der Kantonsrat wählt die Mitglieder dieses Expertengremiums, welche für die Umsetzung des Volksschulgesetzes zuständig ist», sagte Steiner.

Die Gesetzesänderung, die der Kantonsrat beschlossen hat, geht zurück auf eine parlamentarische Initiative (PI) von FDP, SVP, EVP, Mitte und GLP. Die Vorlage geht nun an die Redaktionskommission, welche sie für die zweite Lesung und Schlussabstimmung vorbereitet, die an einer der nächsten Sitzungen stattfinden wird.

Keystone-SDA/Zürioberland24