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Freizeit
18.06.2022
19.06.2022 09:36 Uhr

Steel Panthers am Rock the Ring: Sexistisch? Vielleicht.

Die Steel Panthers sorgten am Rock the Ring 2022 für Stimmung. Und für einige für verwunderte Gesichter. Bild: Rock the Ring
Vergangene Woche kritisierte eine regionale Gratiszeitung den Umstand, dass am Rock the Ring keine weiblichen Acts auftreten. Und nach dem Auftritt der Steel Panthers wird dem Veranstalter sogar vorgeworfen, sexuelle Belästigung zuzulassen. Wir haben uns mit einem Fan darüber unterhalten.

Zugegeben. Hört Frau sich ein paar Songs der Band Steel Panthers an oder liest sie ein paar von ihren Songtexten, könnte sie meinen, im falschen Film zu sein.

So sah es offenbar auch eine Redaktorin einer Zürcher Oberländer Regionalzeitung. Unter dem Titel «Das geht zu weit, Steel Panthers», ärgert sich die Journalistin über das Verhalten des Leadsängers Michael Starr.

«An die Genitalien gefasst»

Er soll sich, während er einige Frauen aus dem Publikum auf die Bühne holte und die Band einer ihrer Songs mit anrüchigem Text zum Besten gab, an seine Genitalien gefasst haben. Ein Bandkollege soll noch einen anzüglichen Spruch dazu platziert haben. Die Redaktorin findet, dass hier vor tausenden von Zuschauern eine sexuelle Belästigung stattgefunden habe. Auch stellt sie die Frage, warum sexuelle Belästigung auf einer Festival-Bühne geduldet werde. Von einem weltbekannten Rockstar könne man im Jahr 2022 eigentlich erwarten, dass er die Sensibilität dafür habe.

Die gleiche Zeitung interviewte wenig später eine der Frauen. Die Österreicherin nahm’s locker und sah nichts Sexistisches dahinter.

«Songtexte sind keine Anleitung für den Umgang miteinander.»
Steel Panthers-Fan aus dem Zürcher Oberland

«Vielleicht nicht die ideale Festival-Besetzung»

Auf den Auftritt und die Situation angesprochen, sagt ein langjähriger Fan und Kenner der Steel Panthers gegenüber Zürioberland24: «Für jemanden, der die Steel Panthers nicht kennt, kann das in der Tat verwirrend sein. Ich schaute mich währenddessen im Publikum um und sah ein paar verdutzte Gesichter.» Das sei aber Teil ihrer Show und seit Jahren eine Art Parodie auf die 1980er-Jahre.

Steel Panther würde für "fun metal" stehen, die Songtexte und auch die Begegnung mit Frauen auf der Bühne wie der gestrige seien nichts Aussergewöhnliches. Im Gegenteil. «Ich sah schon Shows von ihnen, da zogen die Frauen, die bei ihnen auf der Bühne waren, blank», sagt der Fan. Die Frauen würden freiwillig auf die Bühne gehen und wüssten, worauf sie sich einlassen. So sei das auch in Hinwil gewesen. «Von daher war das gestern völlig harmlos», sagt der 2-fache Familienvater lachend. So hatte er denn auch überhaupt keine Probleme mit der Show, sondern fand ihren Auftritt wie gewohnt gut und unterhaltsam.

Grenzwertige Songtexte

Natürlich seien die Songtexte grenzwärtig, der Humor derb und oft unter der Gürtellinie. Das sei vermutlich gerade gestern am "Rock the Ring" für einige schwer unterzubringen gewesen. Doch das müsse man – wie alles an der Band – mit einem Augenzwinkern sehen. Selbst seine Schwester, die sich für die Rechte der Frauen stark mache, sei Fan der Panthers und höre ihre Musik. Der Rockfan, der gleich ein Ticket für alle drei Tage gebucht hat, meint: «Vielleicht waren die Steel Panthers nicht die Idealbesetzung für eine Veranstaltung wie in Hinwil, wo Besucher kommen, welche sich vielleicht nicht mit den einzelnen Bands auseinandergesetzt haben.»

«Leider keine jugendfreien CDs»

Er findet die Band und ihre Musik jedenfalls grossartig, wünscht sich aber auch mal eine "jugendfreie" CD von ihnen. Das Zeug dazu hätten sie auf jeden Fall, meint er. Sie seien ja v.a. mit Coversongs von Van Halen bekannt geworden. «Aber das ist nun mal ihre Art. Damit haben sie eine Nische für sich gefunden.»

«Das auf der Bühne ist Show, das reale Leben ein ganz anderes.»
Steel Panthers-Fan

«Höflicher, zuvorkommender Rocker»

Auf die Frage, ob er denn glaube, dass der Sänger bzw. die Band wirklich frauenfeindlich sei, winkt der Fan ab. «Wenn man sich ein paar Interviews von dem verheirateten, 3-fachen Familienvater anschaut, wird schnell klar, dass das ein ganz umgänglicher, netter Mensch ist.»

Er habe vor einiger Zeit völlig unerwartet die Gelegenheit gehabt, den Sänger persönlich zu treffen. «Er ist super freundlich und zuvorkommend, auch den Frauen gegenüber.» Das auf der Bühne sei Show, das reale Leben ein ganz anderes. «Die Songtexte sind keine Anleitung für den Umgang miteinander», betont der 48-Jährige.

Barbara Tudor