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FCZ- und Leverkusen-Fan waren gemäss Gericht beide handgreiflich

Nach einem Fussballspiel im Zürcher Letzigrund kam es an der Langstrasse zu einem Streit zwischen Anhängern des FCZ und Bayer 04 Leverkusen. Ein Zürcher wurde nun wegen Raufhandels verurteilt. (Symbolbil) Bild: KEYSTONE
Es ist kein einseitiger Angriff gewesen, sondern ein Raufhandel, an dem sich beide Seiten beteiligt hatten: Das Zürcher Obergericht hat das Urteil gegen einen FCZ-Anhänger bestätigt, der im Oktober 2018 an der Langstrasse nach einem Europa-League-Spiel auf Fans von Bayer Leverkusen eingeschlagen hatte.

Das Spiel zwischen dem FC Zürich und Bayer 04 Leverkusen, das die Zürcher mit 3 zu 2 für sich entschieden hatten, war längst aus, als sich ein paar Fans auf der Langstrasse begegneten. Kurz nach 1 Uhr wollten vier Anhänger des Gästeteams ihr Hotel aufsuchen, wie eine Überwachungskamera festhielt.

Drei FCZ-Fans stoppten sie, einer von ihnen klaute den Fan-Schal eines Leverkuseners. Ein Deutscher ging daraufhin auf den Räuber los und bewarf ihn mit einem halbvollen Bierbecher. Diese Rangelei blieb - wohl angesichts des anfänglichen ausgeglichenen Kräfteverhältnisses - noch vergleichsweise harmlos.

Doch im Verlauf der Auseinandersetzung kamen weitere Personen hinzu, darunter befand sich auch der heute 33-jährige Zürcher, dessen Fall das Obergericht nun zu beurteilen hatte. Der deutsche Becherwerfer wurde in der Folge zusehends heftiger geschlagen. Er erhielt auch Tritte gegen den Kopf und zog sich eine Schädelprellung zu.

Tätliche Abwehrhandlungen

Der 33-jährige FCZ-Anhänger schlug zweimal auf den Leverkusen-Fan ein. Laut Staatsanwaltschaft mischte er sich zu einem Zeitpunkt ein, als bereits "aus allen Rohren" auf den Deutschen eingedroschen worden sei. Dieser habe sich nur noch einigeln können.

Deshalb sei nicht von einem gegenseitigen Raufhandel auszugehen, wie es das Bezirksgericht im März 2021 gemacht hatte, sondern von einem Angriff, begründete die Staatsanwaltschaft ihren Weiterzug ans Obergericht. Dieses stufte die "sehr sorgfältigen" Ausführungen des Bezirksgerichts allerdings als überzeugend ein, wie aus dem nun vorliegenden schriftlichen Urteil hervorgeht.

Der Leverkusen-Fan habe sich zwar gegen Schläge der Zürcher gewehrt, was als Notwehrhilfe und Abwehrhandlungen gewertet werden könnte, hält das Obergericht fest. Doch mit diesem Austeilen von Schlägen und Fusstritten gegen FCZ-Fans habe er sich "während der Auseinandersetzung zweifellos aktiv tätlich" verhalten.

Wegen dieses tätlichen Verhaltens sei der Straftatbestand des Raufhandels erfüllt, auch wenn dies für den Deutschen wegen seiner blossen Abwehrhandlungen nicht strafbar ist, wie es im Urteil weiter heisst. Ein Angriff wäre nur gegeben, wenn er die Schläge der FCZ-Fans passiv eingesteckt hätte

Am Strafmass ändert sich damit nichts. Der 33-jährige Zürcher wird mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 100 Franken bestraft, die zugunsten einer Probezeit von zwei Jahren bedingt aufgeschoben wird.

Bei einem Raufhandel sieht das Schweizerische Strafgesetzbuch eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren vor. Bei einem Angriff kann eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren blühen.

Keystone-SDA