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Seegräben
23.04.2022

30 Jahre Sauriermuseum Aathal

Direktor Hans-Jakob Siber mit dem Langhalssaurier Arapahoe. Bild: zvg
Das Sauriermuseum Aathal war vor 30 Jahren eine ziemlich verwittertes historisches Spinnereigebäude. Doch ein Mann mit Leidenschaft hat es zu einem europaweit bekannten, populärwissenschaftlichen Brennpunkt gemacht. Dies unter anderem auch dank den sehr erfolgreichen eigenen Ausgrabungen in den USA. Direktor Hans-Jakob Siber erzählt über die drei Dekaden.

Museumsdirektor Hans-Jakob Siber erinnert sich nicht mehr an den Moment, als er das erste Mal ins fertige Museum trat. Aber das liegt vor allem daran, dass es für ihn damals nicht fertig war. «Es war lediglich ein Anfang», erzählt er. «Ich wusste, dass uns noch viel erwartet. Der Anfang des Museums war völlig primitiv und improvisiert», sagt Siber lachend.

Das Museum werde ohnehin nie fertig sein, sagt Siber weiter. Jahr für Jahr tauschen er und seine Mitarbeitenden Stücke aus, bauen neue Sonderschauen auf oder gestalten einzelne Räume um. So kehrte etwa diesen Frühling ein Teil der Ausstellung über Haifische zurück, die 2018 für grosses Interesse sorgte. Und der Raum mit den Fussspuren der Dinos erhält eine neue digitale Animation. «Wir haben technisch viel gelernt in diesen 30 Jahren.»

2,3 Millionen Besuchende

Aus der anfänglichen improvisierten Saurierschau ist ein bekanntes naturhistorisches Museum voller exotischer Exponate und wissenschaftlicher Erkenntnisse entstanden, das dem Traum von Hans-Jakob Siber sehr nahe kommt: «Wenn ich heute durch die Ausstellung gehe, bin ich sehr zufrieden. Das ist es, was ich wollte.»

Heute zählt das Museum 30 Mitarbeitende und 120'000 Besuchende im Jahr. Mit 2,3 Millionen Besucherinnen und Besuchern insgesamt ist das Sauriermuseum Aathal eines der meistbesuchten naturhistorischen Museen in der Schweiz.

Herzstück Brachosaurier

Das Museum beherbergt 21 Originalskelette, davon zehn aus eigener Grabung. Diese Exponate sind das Herzstück des Museums. Eines der wichtigsten davon ist seit dem ersten Tag zu sehen: Die 23 Meter lange Kopie eines Skeletts des Brachosauriers, ein Gigant unter dem Museumsdach. «Es war das erste Mal, dass man in der Schweiz ein so grosses Dinoskelett anschauen konnte», sagt Siber. «Das brachte Publikum.»

Museum mit den meisten Eigenfunden

Und diese Publikumsströme haben seither nicht abgenommen – im Gegenteil. Als Sibers Team nach zehn Museumsjahren die ersten selbst ausgegrabenen Skelette zeigen konnte, sei das ein Spektakel gewesen. Unterdessen sei das Museum das mit den meisten eigenen Funden in ganz Europa.

Brand 1994

Niemals vergessen werde Siber den Brand von 1994, als das Dach beim Schweissen zum Beheben von Gebäudeschäden Feuer fing. Das habe zur Zerstörung des gesamten IT-Inventars geführt, «aber zum Glück nicht zur Zerstörung von Museumsstücken», sagt Hans-Jakob Siber erleichtert.

  • Galeamopus «Max», ein bedeutender Eigenfund des Museums. Bild: zvg
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  • Ausgrabungsleiterin und Fossilpräparatorin Yolanda Schicker-Siber im Steinbruch .in Wyoming USA Bild: zvg
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Sibers Lieblingsdino ist ein harmloser Pflanzenfresser

Was aber geblieben ist, vom ersten bis zum heutigen Tag, ist Sibers Faszination für Dinosaurier. Sein Lieblingsdino ist der Stegosaurus mit seinen Platten auf dem Rücken und den Stacheln am Schwanz. «Ein harmloser Pflanzenfresser, unglaublich verkleidet. Man weiss bis heute nicht, weshalb er diese Rückenplatten hatte.» Sie wirkten für ihn wie eine Maskerade, fast schon absurd. «Das Gefühl habe ich aber bei vielen Dinos», erzählt er weiter. Für ihn sei es das Schönste an diesen Tieren. «Sie sind die fantasievollsten Geschöpfe, die je auf der Erde gelebt haben. Das Leben war so kreativ damals. Das fasziniert mich und ich bewundere diese Zeit.»

Höhepunkte aus 30 Jahren Sauriermuseum

  • 1992: Eröffnung des Museums mit dem bislang grössten in der Schweiz je gezeigten Skelett.
  • 2002: Erstes selber ausgegrabenes Skelett wird im Museum gezeigt.
  • 2010: Hans-Jakob Siber erhält den Ehrendoktortitel der Universität Zürich.
  • 2012: Sonderschau «Archaeopteryx» mit 3D-Animation und Original im Wert von 2,5 Millionen Euro
  • 2013: Alle vier Töchter von Siber nehmen an der Grabung in den USA teil.
  • 2016: Montage des 27 Meter langen Langhals-Dinosauriers «Arapahoe»
  • 2018: Tochter Yolanda Schicker-Siber steigt fest im Museumsteam ein.
  • 2022: 30-Jahr-Jubiläum

www.sauriermuseum.ch

Sauriermuseum Aathal/Zürioberland24